Rezension: Digital Politics. So verändert das Netz die Demokratie

Für die Zeitschrift Außerschulische Bildung habe ich mir ein spannendes Buch etwas genauer angeschaut. Aleksandra Sowa, eine der führenden Expertinnen für IT-Sicherheit im deutschsprachigen Raum, hat mit „Digital Politics. So verändert das Netz die Demokratie“ ein äußerst anregendes Werk über informationelle Selbstbestimmung und den Erhalt bürgerlicher Freiheiten geschrieben. 

„Aleksandra Sowa: Digital Politics. So verändert das Netz die Demokratie. 10 Wege aus der digitalen Unmündigkeit“ (Bonn 2017, Dietz, 184 Seiten). Rezension aus der Zeitschrift Außerschulische Bildung, Ausgabe 2/2018, hrsg. vom Vorstand des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten (AdB), S. 69-70 (hier als PDF).

Daten und Digitalisierung bestimmen unser Leben, machen uns mündig und unmündig zugleich. Sie beeinflussen Gesellschaft und Wirtschaft, politische und private Entscheidungen; und sie machen jede(n) Einzelne(n) anfällig für Beeinflussung, Desinformation und Hacking – vom Computer über die Handy-App, vom smarten Kühlschrank bis zum autonom fahrenden Auto. Aleksandra Sowa, eine der führenden Expertinnen für IT-Sicherheit im deutschsprachigen Raum, hat ein äußerst anregendes Buch über informationelle Selbstbestimmung und den Erhalt bürgerlicher Freiheiten geschrieben.

Leben mit der Unsicherheit

Als Motto von „Digital Politics“ gilt: Wir müssen lernen, mit den Unsicherheiten der Digitalisierung zu leben, und uns darauf vorbereiten. Egal ob in der Politik oder im Privaten: Nur, wer es wirklich will und die Folgen abschätzen kann, sollte Entscheidungen an Maschinen delegieren. Wer etwas kauft, sollte nicht nur nach Preis und Bequemlichkeit entscheiden, sondern auch an die eigene Sicherheit denken. Jede(r) ist für den Schutz seiner Daten selbst verantwortlich – muss sich aber gleichzeitig darauf verlassen können, dass sich Hersteller und Anbieter digitaler Dienstleistungen an bestehendes Recht (ja, es gibt sie, die europäische Datenschutz-Grundverordnung und das Netzwerk-Durchsetzungsgesetz!) halten.

Wege aus der digitalen Unmündigkeit

Für eilige Leser (tl; dr) hat Aleksandra Sowa im gesamten Buch zehn „Wege aus der digitalen Unmündigkeit“ verteilt:

  • Engagieren Sie sich in Initiativen zum Schutz der Freiheitsrechte;
  • gehen Sie konsequent gegen Falschinformation und Hass im Netz vor;
  • verlangen Sie Ihre Daten zurück;
  • tragen Sie spezielle Brillen gegen Gesichtserkennungs-Software;
  • leben Sie offline (solange es noch möglich ist);
  • und Sie wissen nicht, ob Sie Mensch oder Maschine gegenübersitzen? Dann bieten Sie einen Apfel an.

Diese und weitere Schritte bringen Sie auf den Weg zum digitalen MacGyver, der sich selbst vor Datenklau und Sicherheitslücken schützt. Damit aber nicht genug – und damit zu dem Teil, der für die politische Bildung besonders interessant ist: Aleksandra Sowa spannt den Bogen viel weiter, beschreibt die Auswirkungen von Big Data, Künstlicher Intelligenz und Algorithmen auf die Demokratie und das repräsentative System. So scheinen Politik und demokratische Gesellschaften hilflos den Gefahren von außen ausgeliefert zu sein, Cyber-Attacken bestimmten Tätern zuzuordnen wird immer schwieriger. Besonders pikant wird das im Zusammenhang mit Wahlen und anderen Formen politischer Mitbestimmung, die zunehmend digital unterstützt ablaufen (und die eigentlich in Zeiten angeblich mangelnder Bürgerbeteiligung regelmäßiger durchgeführt werden müssten). Außerdem liefert das Buch Anstöße zur Diskussion darüber, welche Formen die Demokratie in Zeiten der zunehmenden Vernetzung und Interaktivität annehmen kann.

Das Buch „Digital Politics“ ist so komplex, anregend und reizvoll wie das gesellschaftliche Themenfeld selbst. Es ist gespickt mit aufrüttelnden Zitaten, diskussionswürdigen Thesen, interessanten Beispielen und Verweisen – und von Aleksandra Sowa dennoch ohne jeglichen Hang zur Besserwisserei verfasst. Das macht es lesenswert von der ersten bis zur letzten Seite.

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