Vaterfreuden (XVI): Eine gute Nacht

Kommen Eltern mit mehr als einem Kind wirklich ununterbrochen wie auf dem Zahnfleisch daher? Könnte sein – denn die Nächte, die sie erleben, sind wirklich nicht von schlechten Eltern. Hier das wahrheitsgetreue Protokoll einer Nacht mit drei kleinen Kindern. Einer guten Nacht übrigens.

Foto: VisualHunt

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19.45 Uhr: Kaum zu glauben: die Kids schlafen schon. Es ist aber auch anstrengend zur Zeit: Neue Stadt, neuer Job, neue Kindergärten, Eingewöhnung, Renovieren, die Größte beim Kindergeburtstag eingeladen… Die Kinder sind tatsächlich alle gesund, lediglich die kleinste trägt von der letzten großen Erkältung noch einen Schnupfen mit sich herum. Es verspricht also eine angenehme Nacht zu werden.

20.45 Uhr: Die Eltern streichen die Segel, mehr als lesen ist nicht mehr drin. Um halb 10 schläft die ganze Familie.

0 Uhr: Erstes Aufstehen. Quäken im Nachbarzimmer. Die Kleinste hat im Halbschlaf ihren Schnuller nicht gefunden. Alles schnell erledigt, und auch die Erwachsenen sind schnell wieder eingeschlafen.

1 bis 3 Uhr: Aufstehen Nummer zwei bis sechs. Die Große scheint den vergangenen Tag zu verarbeiten: „Ich hab was Blödes geträumt.“ / „Ich muss aufs Klo.“ / „Ich finde mein Kuschelschaf nicht.“ / „Ich will bei Euch schlafen.“ / „Ich kann immer noch nicht schlafen.“ / „Mein Magen knurrt so komisch.“ / „Ich will aber wirklich bei Euch schlafen.“ All das bedeutet: Erst verständnisvolles Beruhigen, später eher barsches Wegschicken, praktisch kein Schlaf in diesen zwei Stunden.

3.15 Uhr: Siebtes Aufstehen. Wie praktisch, dass wir gar nicht erst eingeschlafen sind, seit die Größte wieder selig in ihrem Bett schlummert: unsere Kleinste ist wach und lässt sich in ihrem Quengeln nicht mehr beruhigen. Also: Fläschchen vorbereiten, Kind abfüllen, und wieder eine Beschäftigung für die nächste Viertelstunde.

3.35 Uhr: Achtes Aufstehen. Hustenanfall der Kleinsten, mit ordentlich Gegurgel, die Milch droht sich schnell wieder aus dem Magen zu verabschieden. Ich trage sie also noch ein paar Minuten durch die Gegend. Kotzerei gerade noch abgewendet, ein Glücksgefühl inmitten der dunklen Nacht!

3.55 Uhr: Einen Powernap später meldet sich die Dritte im Bunde – mit großem Geschrei. Es wäre ja auch schade gewesen, wenn wir die Zweijährige in dieser Nacht nicht getroffen hätten. Also: Neuntes Aufstehen, zu ihr gerannt und ihr wieder den Schnuller in den Mund gesteckt.

Um 4 Uhr liege ich hellwach im Bett und mache mir die ersten Gedanken darüber, meine Vaterfreuden-Kolumne endlich mal wieder fortzusetzen. Irgendwann falle ich dann doch in tiefen Schlaf. Der hält an bis…

4.45 Uhr: Zehntes Aufstehen. Da träumt unsere Mittlere wohl noch einmal den Traum von vorhin. Großes Gebrüll – das aber so schnell geht wie es gekommen ist. Und tatsächlich höre ich danach nur noch zwei Mal eine Uhr klingeln. Gute Nachtruhe!

5.45 Uhr: Guten Morgen! Pünktlich wie immer unter der Woche klingelt der Wecker. Nur blöd, dass heute Samstag ist – und die Kids das immer lauter und schneller klingelnde Ding irgendwo versteckt haben. Was wir während der Suche von uns geben, ist nicht zitierbar. Aber dann ist nach dem elften Aufstehen doch wieder Ruhe.

5.50 Uhr: Doch nicht. Zwölftes Aufstehen. Der Wecker hat unsere Zweijährige aufgeweckt. Laut protestiert sie, als ich versuche, sie wieder zum Schlafen zu bringen. Also wird sie in unserem Bett zwischengeparkt.

6.05 Uhr: Ich unterbreche die Turnstunde auf unserer Matratze und erkläre diese Nacht für beendet. Dreizehntes und letztes Aufstehen. Immerhin gab es fünf Stunden Schlaf zum Auftanken für diesen Tag. Kein Kind ist krank geworden, hat sich übergeben oder irgendetwas gebrochen. Das war eine gute Nacht.

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