Im Gespräch mit: Rosalie Thomas über „Beste Chance“ (für die PNP)

bc_Plakat_RZ_DIN_A4 WEB„Beste Chance“ ist der dritte und angeblich abschließende Teil der Heimat-Trilogie von Regisseur Marcus H. Rosenmüller um die Freundinnen Kati und Jo. Hauptdarstellerin Rosalie Thomass wird den Film gemeinsam mit Produzentin Eva Tonkel und Kostümbildner Walter Schwarzmeier bei einer Vorpremiere vorstellen: am Dienstag, 24. Juni, um 20.30 Uhr in der Filmgalerie Bad Füssing. Für die Passauer Neue Presse durfte ich mit Rosalie Thomas sprechen – über unkomplizierte Rollen und ziemlich beste Freunde, über das Gefühl von Heimat und das Ergreifen von Chancen.

Liebe Frau Thomas, nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Woran arbeiten Sie derzeit?

Rosalie Thomass: In den vergangenen Monaten habe ich zwei Filme gedreht: zum einen die ZDF-Produktion „Das Zeugenhaus“ mit Regisseur Matti Geschonneck, das war eine ganz tolle Erfahrung. Ende Mai wurde „Taxi“ nach dem Roman von Karen Duve abgedreht, der soll nächstes Jahr ins Kino kommen. Und nun geht es darum, „Beste Chance“ bei der Kinotour dem Publikum zu zeigen.

Zwischen dem letzten Dreh für „Beste Gegend“ und dem für „Beste Chance“ lagen sechs Jahre. Wie schwer war es für Sie, wieder in die Rolle der Jo hineinzufinden? Und wie war die Rückkehr zum Filmteam?

Thomass: Das war tatsächlich wie ein Familientreffen. Mit den meisten der Kollegen bin ich nun seit einigen Jahren befreundet. Und Jo wieder zu spielen, war ebenfalls wie ein Heimkommen, ich hatte sie richtig vermisst. Sie ist eine unkomplizierte Figur, die auch im Winter mit dem Fahrrad übers Land fährt – und wenn ihr der Schneeregen dabei nichts ausmacht, macht es mir auch nichts aus.

Die eine Hälfte des Films spielt in Indien, wo ihr Gegenpart Anna Maria Sturm auf der Suche nach Ihnen ist. Standen Sie beiden für „Beste Chance“ tatsächlich keine Minute gemeinsam vor der Kamera?

Thomass: Tatsächlich! Dieser Geniestreich ist mir auch erst einen Tag nach dem Lesen des Drehbuchs wirklich bewusst geworden. Beide Hauptpersonen machen eine wichtige Reise, sind dabei immer beisammen, aber begegnen sich dabei physisch nicht. Für mich zeigt diese innere Verbundenheit eine besonders schöne Art und Weise von Freundschaft.

Nach 5 Jahren wieder zurück in der Heimat: Jo (Rosalie Thomass) trifft ihre Freunde wieder. (Copyright: Majestic)

Nach 5 Jahren wieder zurück in der Heimat: Jo (Rosalie Thomass) trifft ihre Freunde wieder. (Copyright: Majestic)

Auch im dritten Teil der „Beste“-Trilogie geht es wieder um Fernweh, Freiheitsdrang und die Liebe zur Heimat. Was überwiegt derzeit bei Ihnen?

Thomass: Letztlich kann man sich das Gefühl von Heimat doch immer selbst geben, oder nicht? Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich sehr viel reise, in anonymen Hotels übernachte oder zwischenzeitlich in anonym möblierten Wohnungen lebe. Für „Taxi“ war ich gerade sieben Wochen in Hamburg, da überwiegt dann das Heimweh nach der eigenen Wohnung, dem eigenen Bett, dem eigenen Umfeld. Wenn ich dann wieder zuhause bin, genieße ich es vor allem, wieder viel Zeit in Freundschaften investieren zu können.

Vor allem aber geht es in „Beste Chance“ um die unzähligen Möglichkeiten, die sich einem jeden Tag eröffnen. Welche war die letzte, die Sie spontan genutzt haben – und welcher trauern Sie noch heute nach?

Thomass: Ich beginne mit meiner ersten Chance, die ich konsequent genutzt habe: das war 2006 der Polizeiruf unter der Regie von Dominik Graf. Da hätte ich eigentlich nicht einmal zum Casting gehen dürfen, weil es gar nicht sicher war, ob ich tatsächlich fünf Wochen schulfrei bekomme… Heute ist es so, dass in der Schauspielerei ständig etwas Neues passiert – und ich auch dazu neige, Projekte lieber zuzusagen. Deshalb habe ich nicht das Gefühl, etwas Großes verpasst zu haben. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel in einem Independent-Film in den USA mitgespielt. Es war total chaotisch, ich hatte keine Ahnung, ob der Film wirklich gut wird, ob meine Arbeit passend war – aber ich durfte fünf unglaublich tolle Wochen in der Sonne Arizonas verbringen und habe den Grand Canyon gesehen. Dass mir mein Beruf solche Erlebnisse und Erfahrungen bieten kann, ist doch unglaublich. Man muss sich eben nur trauen.

Eigentlich ist „Beste Chance“ als Abschluss der Trilogie um die Freundinnen Kati und Jo gedacht. Nun hat Regisseur Marcus H. Rosenmüller aber angedeutet: „Es ist nicht absolut um.“ Was sagt Ihr Bauchgefühl?

Thomass: Natürlich interessiert es mich, wie es mit den beiden weitergeht, das gesamte Projekt ist ja für uns alle ein Teil des Lebens geworden. „Beste Chance“ spielt bereits in einer sehr spannenden Lebensphase, es geht nicht mehr um den besten Weg zur Dorfdisco, sondern um Höheres. Und das hört ja nicht auf: ab Mitte 20 folgen die Fragen nach Partnern, Familie, Beruf – sowohl für Jo und Kati, als auch im wahren Leben für meine ganze Generation. Aber nicht ich entscheide über eine Fortsetzung von „Beste Chance“, sondern die Produzenten, die Autoren und nicht zuletzt die Zuschauer.

Rosalie Thomas als Jo in Marcus H. Rosenmüllers BESTE CHANCE (Copyright: Majestic/Meike Birck)

Rosalie Thomas als Jo in Marcus H. Rosenmüllers BESTE CHANCE (Copyright: Majestic/Meike Birck)

In Bad Füssing steigt am 24. Juni eine Vorpremiere, zwei Tage vor dem offiziellen Kinostart. Ist das für Sie eine besondere Vorführung? Denken Sie da zum Beispiel noch: „Das hätte ich aber anders spielen sollen“?

Thomass: Ja, es ist ein besonderes Gefühl, denn da werde ich den Film wohl erst zum zweiten Mal in voller Länge sehen. Das Schöne an Kinotouren ist, dass man sich mit in den Saal setzen kann und mitbekommt, wie das Publikum reagiert – und das jedes Mal anders. Diese persönliche Erfahrung zu machen ist doch das Größte, wir machen die Filme ja für die Zuschauer, und nicht für den Fernseher. Was die Gedanken über das eigenen Spiel angeht: ich kann ja schon nichts mehr an meiner Leistung ändern, wenn ich abends das Set verlasse. Meine Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten enden eben an einem gewissen Punkt – und das zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt.

Rosalie Thomass, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

BESTE CHANCE

Seit dem Abi vor fünf Jahren haben sich die Freundinnen Jo (Rosalie Thomass) und Kati (Anna Maria Sturm) nicht mehr gesehen. Während die eine in Indien nach dem Sinn des Lebens sucht, schlägt sich die andere mühsam mit den Abschlussprüfungen an der Uni herum. Aber fünf Jahre sind wie weggeblasen, als Kati auf ihrem Anrufbeantworter besorgniserregende Nachrichten ihrer besten Freundin abhört. Sofort lässt sie alles stehen und liegen und fährt in ihr Heimatdorf, um die besten Freunde aus der Schulzeit zusammen zu trommeln und Jo in Indien zu suchen – doch die sind in der Zwischenzeit so gut wie verheiratet, leben ihr eigenes Leben und reagieren entsprechend wenig begeistert. Also macht sich Kati kurzerhand allein auf den Weg in den indischen Ashram, von dem Jo auf ihrer letzten Postkarte geschwärmt hat. Was Kati nicht ahnt: Jo ist schon längst auf dem Weg nach Hause und bringt dort – wie früher – alles durcheinander.

ROSALIE THOMASS

Die 26-jährige Rosalie Thomass gehört schon heute zu den beliebtesten deutschen Schauspielerinnen. Bekannt wurde sie mit den Filmen Beste Zeit, Beste Gegend und Eine ganz heiße Nummer sowie durch ihr Mitwirken in TV-Produktionen wie Neue Vahr Süd, Polizeiruf und Tatort. Im Sommer 2013 kam sie schon einmal nach Bad Füssing, um gemeinsam mit Regisseur Aron Lehmann den mehrfach ausgezeichneten Film Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel vorzustellen. In der Zwischenzeit war sie auch in Das Leben ist nichts für Feiglinge zu sehen.

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