Vaterfreuden (XIII): Wahre Freunde

Das hier ist eine Auftragsarbeit. Die Bloggerin Herzmutter hat darum gebeten, die folgende Frage möglichst ehrlich zu beantworten: Liegt es an Euch Eltern selbst, dass der Kontakt zu Euren sogenannten Freunden mehr und mehr abreißt, oder verstehen die anderen Euer neues Leben einfach nicht? Je länger ich darüber nachdenke, komme ich zu zwei Schlüssen: erstens ist die Frage nur zu beantworten, wenn ich mir viele Gedanken über mein eigenes Leben mache. Und zweitens bleiben einem die wahren Freunde immer erhalten.

Seid doch mal ehrlich: ich habe Frau und Kind, Haus und Garten auf dem Land, arbeite in der politischen Bildung, bin dafür mehrere Tage die Woche unterwegs und versuche nebenbei, einen Geschichtsdoktor zu machen. Wollt Ihr so einen wirklich zum Freund haben?

Verstreut in alle Welt

Wir machen es unserem Umfeld aber auch nicht einfach: wir setzen ein Kind in die Welt, dass jeden Fremden (und anfangs auch uns) in den ersten sechs Lebensmonaten praktisch durchgehend anbrüllt. Unsere Familien haben wir zum größten Teil mehrere hundert Kilometer von uns entfernt und übers ganze Land verstreut zurückgelassen. Und der Freundeskreis vor Ort hatte sich sowieso schon ausgedünnt: neun von zehn verlassen nun einmal die Stadt, in der sie studiert haben, und zwar mit wehenden Fahnen, um als Volljurist, Unternehmensberater, Diplomat oder Journalist die Welt zu erobern.

Die Uni – ein Kindergarten

Auch das haben wir gemacht, nur: wir sind wieder zurückgekommen. Wer jetzt noch an der Uni ist, ist mindestens zehn Jahre jünger als wir, beschäftigt sich mit Seminararbeiten, Feiern, Universitätsinterna, Klatsch und Tratsch – Dinge, an denen ich noch nie besonderes Interesse hatte und für die ich nun überhaupt keine Zeit mehr habe. Und abends? Bin ich müde und will schlafen. Dafür stehe ich so früh auf, dass ich einen Text wie diesen morgens um sechs im Zug schreibe und sonntags gerne schon morgens um acht etwas unternehme.

Dazu kommt: ich bin ja nicht nur Vater, sondern auch berufstätig. Als Pressesprecher der Akademie für Politische Bildung Tutzing bin ich zwei, drei Tage die Woche in einem anderen Teil Bayerns tätig und arbeite dann praktisch am Stück. So gut ich mich dort mit meinen Kollegen verstehe und so nahe ich an München bin – außerhalb der Akademie unternehme ich kaum was, weil es mich (verständlicherweise!) schnellstens wieder zurück zu meiner Kleinfamilie zieht. Das alles wiederum reicht weder für den Club der Workaholics noch für eine reibungslose Einbindung in die Nachbarschaft. In der Anrufliste meines privaten Mobiltelefons steht in den vergangenen zwei Wochen nur ein Kontakt: meine Frau.

Der Hausmann

Apropos Nachbarschaft: wir waren so verrückt, und sind im Herbst aufs Land gezogen, sozusagen in den Speckgürtel von Passau – denn wo kann man es sich sonst leisten, mit Teilzeitjobs ein Einfamilienhaus zu mieten, wenn nicht hier? Das heißt aber auch: viel Zeit geht dafür drauf, das Haus einzurichten und in Schuss zu halten. An den Garten wage ich noch gar nicht zu denken. Meine sonstige Zeit verbringe ich seit ein paar Jahren damit, eine hoffentlich bahnbrechende Doktorarbeit über eine politische Zeitschrift im Preußen zur Zeit der Reichsgründung zu schreiben. Zwei Mal die Woche ins Kino? Sport im Verein?? Einen heben gehen, und wenn es nur für das #socialbeergame ist??? Stundenlang und mehrmals täglich Kaffee trinken???? Ich! Habe! Keine! Zeit! Dazu!

Und dann kommen Sie doch…

Vor kurzem haben wir übrigens unsere Hauseinweihung gefeiert. Mit zwei Dutzend Gästen, die sich trotz der großen Mühen – eine Viertelstunde mit dem Auto von Passau, etwas länger mit dem Bus und der Bahn – zu uns gewagt haben. In unserem Gästezimmer haben bereits liebe Freunde übernachtet, weitere haben sich bereits angekündigt, unsere Familien sowieso. Am Ende bleibt, und das geht nicht nur jungen Eltern so, immer ein harter Kern, auf den man sich verlassen kann. Das ist wirklich beruhigend.

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Ein Kommentar zu “Vaterfreuden (XIII): Wahre Freunde

  1. Es ist so weit, die Auswertung für die Blogparade „Zerstören Kinder unsere Freundschaft?“ ist fertig – ich habe alle Teilnehmenden verlinkt und auch die Beiträge kurz vorgestellt. Die Auswertung findest du hier: http://www.herzmutter.de/blogosphaere/100-teil-ii-der-blogparade-zerstoeren-kinder-unsere-freundschaft

    Ich freue mich daß du mitgemacht hast! Die Resonanz war wirklich toll und es sind ganz viele verschiedene Beiträge zusammengekommen!

    Eine Bitte hätte ich noch: könntest du den Link zu meinem Blog in deinem Beitrag aktualisieren? Leider stimmen die Links nämlich nicht mehr, da ich zwischenzeitlich einen Software Wechsel vorgenommen habe – vielen Dank! Das ist der Link zur ursprünglichen Blogparade: http://www.herzmutter.de/blogosphaere/60-59blogparade-zerstoeren-kinder-unsere-freundschaft

    Liebe Grüße, Janina

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