Vaterfreuden (XII): Der Wort-Schatz

Jeden Tag könnte ich einen Text darüber schreiben, auf welch beeindruckende Weise sich unsere Kleine entwickelt. Eineinhalb Jahre ist sie nun alt, ein kleines Persönchen mit einem enorm starken Willen, die ihre Welt erkundet, das neue Heim nach zwei Monaten bereits in- und auswendig kennt und sich nach Anlaufschwierigkeiten nun täglich auf den Vormittag in der Kinderkrippe freut. Am beeindruckendsten ist für uns aber, wie sie derzeit ihren Wortschatz aufbaut und nutzt.

Was mit elf Monaten mit dem ersten Papa und Mama begann, hat sich mittlerweile zu einem kleinen Sammelsurium verschiedenster Ausdrücke entwickelt. Was mit Essen zu tun hat, merkt sie sich mit besonderer Freude, dazu kommen aber auch schon kompliziertere Drei- und Viersilber wie Eisenbahn oder Mainzelmännchen, Strohhalm oder Schweinelendchen, die immer im richtigen Moment eingesetzt werden. Selbst wenn wir im Auto an einem Supermarkt vorbeifahren, ruft sie schon: einkaufen!

Am meisten lernen die Kleinen eindeutig durch das rhythmische Wort, also durch Gesang und Gedichte. Stimmen wir ein Kinderlied an und unterbrechen es gegen Ende einer Zeile, wird fleissig ergänzt. Dabei werden Worte abgespult wie Schießgewehr, Biberach, Durlesbach, huckepack und wohlgemut. Selbst der viel diskutierte „weisse Neger Wumbaba“ ist bereits vorgekommen.

Ob sie wirklich weiß, was sie da sagt, wage ich in diesen Fällen zu bezweifeln, auf alle Fälle aber weiß sie es bei: Tannenbaum, Nikolaus, Eisenbahn, Haltstation und schmeißen. Natürlich schnappt sie auch jede Menge Unsinn auf. Mein Favorit ist und bleibt der Knoblauchbussi, gerne macht sie auch kille kille, begrüßt schon einmal auf Chinesisch mit einem „ni hao“ und lachte mich neulich nach einem kleinen Ausbruch an und meinte: „Eisse, eisse, eisse.“ Sie kennt also bereits eine Vielzahl von Ausdrücken, die sie in naher Zukunft zum Überleben braucht…

Alle Frauen, die sich über die Schweigsamkeit des männlichen Geschlechts aufregen, kann ich an dieser Stelle auch beruhigen: der aktive Wortschatz Eurer Männer wird sich um ein Vielfaches erweitern. Denn in Gegenwart des Kleinkinds wird jede Tätigkeit erklärt und kommentiert: Papa zieht Dir jetzt die Hose an, Papa braucht ein Handtuch, Papa muss Pipi. Dabei werden die unmöglichsten Worte aus dem Repertoire des Kindes übernommen. Schnuller gibt es bei uns im Haus nicht mehr, sondern nur noch Nunus. Wasser, Tee und Glas? Läuft alles unter dem Sammelbegriff Trinken. Wir sagen „lieb“, wenn wir uns umarmen oder küssen. Fällt etwas hinunter, folgt sofort ein „hublabla“, der Sandmann ist der Mann San, ein Keks ein Didi, ein Croissant ein Soasoa, wir essen Toasti und nehmen ein Badi.

Die Kleine ist also ein wandelnder Wort-Schatz, und sie nutzt die Welt als eben solchen. Glaubt Ihr nicht? Das kann ich Euch nicht verübeln. Denn in Anwesenheit von Unbekannten und in ungewohnten Situationen ist sie stumm wie ein Fisch.

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