Vaterfreuden (XI): Am Wühltisch

Schlangestehen ums iPhone5? Sich beim Discounter um die neuesten Sonderangebote prügeln? Das ist alles nichts gegen das, was wir neulich erlebt haben: ein Besuch beim Basar für Babys und Kleinkinder. Eine Chronologie der Ereignisse…

Hier steh ich nun... warten, dass sich die Türen zum Basar endlich öffnen (Foto: Hagen).

Hier steh ich nun… warten, dass sich die Türen zum Basar endlich öffnen (Foto: Hagen).

8.50 Uhr

Großer Andrang beim Basar in Passau. Ist etwa mehr los, wenn es um das neue iPhone geht? ;) (Foto: Haas)

Großer Andrang beim Basar in Passau. Ist etwa mehr los, wenn es um das neue iPhone geht? 😉 (Foto: Haas)

Irgendwie lief an diesem Morgen alles wie am Schnürchen, so dass wir gut zehn Minuten zu früh am Ort des Geschehens ankommen. Zum Glück. Denn vor der Eingangstür zum Gemeindesaal von St. Severin in Passau ist bereits eine große Menge nervöse Mütter, irritierte Väter und unruhige Kinder versammelt. Eine Freundin, die den Basar mitorganisiert, muss sich den Weg nach vorne regelrecht erkämpfen – und beinahe jedem, den sie überholt, glaubhaft versichern, es nicht auf Hosen, Winterschuhe und Spielzeug abgesehen zu haben, sondern sie gleich zu verkaufen.

8.59 Uhr

Eine Minute früher als gedacht öffnen sich die Pforten. Die Meute stürmt nach vorne – und ich bin froh, die Kleine in der Kraxe zu tragen. In mehr als einem Meter Höhe besteht nämlich keine Gefahr, im Türrahmen erdrückt oder von anderen Eltern überrannt zu werden. Auf geht’s in den ersten Stock! Die ersten Damen preschen sogleich links die Treppe hinauf – und stellen nach wenigen Schritten erschocken fest: das ist der falsche Aufgang! Laut fluchend müssen sie sich weiter hinten einreihen.

9.03 Uhr

Das Wühlen am Tisch „86/92“ haben wir beiden Mama überlassen, denn die hat einen geschulten Blick, was brauchbare Kleidungsstücke angeht. Ich verziehe mich zu den Handschuhen und Mützen, wo noch ein wenig Luft zum Atmen ist, wühle mich durch ungeahnte Stoffmengen – und gebe bald auf. Das ist mir alles zu unübersichtlich.

9.10 Uhr

Nach etwa zehn Minuten im Schwitzkasten anderer Mütter hat die Unsrige erschöpft aufgegeben, aber zumindest ein paar schöne Dinge ergattert. Wir probieren ein paar Schuhe an, dann reihe ich mich in die nächste Schlange ein: zum Zahlen.

9.20 Uhr

Später, im Spielzeugraum, ist Mamas Blick leider zu geschult: das Objekt der Begierde, ein Sack voller Holzbausteine, liegt etwas unmotiviert neben einem Tisch. War wohl heruntergefallen, denken wir – bis ein Vater anstürmt und uns zu Schnecken macht: „Das ist unser Haufen, wir kaufen das alles!“ Schnell suchen wir das Weite.

Zahlen beim Babybasar: die Tüte mit den Kleidungsstücken ausgeleert - und dann abwarten, was am Ende als Betrag herauskommt (Foto: Hagen).

Zahlen beim Babybasar: die Tüte mit den Kleidungsstücken ausgeleert – und dann abwarten, was am Ende als Betrag herauskommt (Foto: Hagen).

9.45 Uhr

Richtig entspannt ist es dann in einem der Nebenräume, wo sich Eltern und Nachwuchs bei Kaffee, Tee und (Kinder)Kuchen stärken können und sich plötzlich wieder ganz zivilisiert benehmen. Zum nächsten Basar gehe ich wahrscheinlich erst eine Stunde nach der Öffnung. Da ist dann nicht mehr ganz so viel zu holen, aber ich muss zumindest keine Angst um Leib und Leben meiner Liebsten haben. Wobei – ein wenig Nervenkitzel, das mögen wir doch alle…

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