Im Interview: Regisseur Boris Kunz über „Drei Stunden“

Boris KunzDrei Stunden – das ist nicht viel Zeit, um eine Antwort auf die vielleicht wichtigste Frage des Lebens zu finden. Die beschwingte Komödie von Boris Kunz begleitet zwei Freunde durch das sommerliche München, denen unerwartet nur noch drei Stunden bleiben, um sich für- oder gegeneinander zu entscheiden. Der Regisseur stellt sein Kinodebüt am Mittwoch, 31. Juli, um 19.30 Uhr in der Filmgalerie vor. Meine Fragen für die Passauer Neue Presse hat er bereits beantwortet.

Lieber Herr Kunz, wir führen dieses Interview kurz vor der Premiere von Drei Stunden. Wie fühlen Sie sich?

Boris Kunz: Ich bin sehr gespannt auf die Premiere am 25. Juli und die Wochen danach, und ganz langsam kommt die Aufregung in mir hoch. Glücklicherweise konnte ich bereits auf ein paar Festivals und bei Previews die Erfahrung machen, dass der Film ganz gut ankommt und eine schöne Stimmung in den Sälen herrscht. Wie wir es aber schaffen, die Zuschauer außerhalb von Festivals ins Kino zu bekommen, ob sie das Wetter zum Beispiel hineintreibt oder davon abhält, das haben wir nicht in der Hand.

Nr. 4: Martin (Nicholas Reinke) und Isabel (Claudia Eisinger) treffen sich in Martins Wohnung. © Kaissar Film / NFP

Martin (Nicholas Reinke) und Isabel (Claudia Eisinger) treffen sich in Martins Wohnung. © Kaissar Film / NFP

Bisher haben Sie nur Kurzfilme ins Kino gebracht. Warum gerade jetzt der erste Langfilm? Ist das doch das einzig Wahre für einen Regisseur?

Kunz: Mit jedem Kurzfilm arbeitet man darauf hin, einmal einen langen drehen zu dürfen. Die Kurzfilme dienen der Ausbildung und werden fast immer von Anfängern gedreht. Denn sie haben praktisch keinen Markt, werden auf Festivals und bei Kurzfilmnächten gezeigt, und das war’s. Das ist nichts, womit man auf Dauer Geld verdient. Außerdem ist es natürlich schöner, eine Geschichte über eine längere Dauer erzählen zu können.

Die Kurzgeschichte zum Film hatten Sie bereits als Abiturient geschrieben. Wie viel von Ihnen selbst steckt nun in der Kinoversion?

Kunz: Die Grundidee zu dem ganzen Projekt entstand aus dem üblichen Gedankenspiel junger Erwachsener: Was wäre, wenn ich mich in dieser Situation so oder so verhalten hätte? Mich beschäftigte damals die Frage, welche Entscheidung man treffen soll, wenn die Liebe und das, was man sonst für den Sinn des eigenen Lebens hält, sich nicht vereinbaren lassen. Das Drehbuch aber ist kein autobiographisches – auch wenn in der männlichen Hauptfigur sehr viel von mir steckt und all die Details im Film irgendwie auf mich zurückführen. Gerade die kleinen Absurditäten, die ich so mag, machen den Film lebendig.

Das Gedankenspiel lag also zehn Jahre ungenutzt im Schrank. Ist die Geschichte zu Drei Stunden – das Was-wäre-wenn – bei der Generation Um-die-30 besser aufgehoben?

Kunz: Ja, das ist sie. Ich hatte die Geschichte damals schon mit Protagonisten geschrieben, die älter waren als ich – weil ich das Gefühl hatte und habe, dass wir hier in Europa in einer Gesellschaft leben, in der man immer noch einen ganz neuen Weg einschlagen kann, solange man noch nicht 30 ist. Dann aber werden die Entscheidungen brisanter, weil sie in einem Lebensabschnitt spielen, wo sie oft eine Gültigkeit für das gesamte weitere Leben haben. An diese Schwelle gehört Drei Stunden hin.

Isabel (Claudia Eisinger) und Martin (Nicholas Reinke) sind beste Freunde. © Kaissar Film / NFP

Isabel (Claudia Eisinger) und Martin (Nicholas Reinke) sind beste Freunde. © Kaissar Film / NFP

Über ihren männlichen Hauptdarsteller Nicholas Reinke sagen Sie, er sei von Anfang an Ihre Wunschbesetzung gewesen. Warum?

Kunz: Ich kannte Nicholas bereits persönlich, wenn auch nicht besonders gut, durch Dreharbeiten von Studienkollegen. Auf der Leinwand verkörpert er genau die Mischung, die ich gesucht habe: man traut ihm zwar die Hauptrolle in einer Liebesgeschichte zu, glaubt aber auch gleichzeitig, dass er so zurückhaltend und schüchtern sein kann, dass er seiner besten Freundin über Jahre nicht sagt, dass er sie liebt. Ich habe lange überlegt, ob es für diese Rolle nicht auch bekanntere Schauspieler gäbe – aber allen, die einem auf die Schnelle einfallen, hätte ich den einen oder anderen Teil nicht geglaubt. Und Nicholas glaube ich beides.

Im Gegensatz zur ursprünglichen Konzeption hat die impulsive Claudia Eisinger die Rolle der Hauptdarstellerin verändert. Was genau? Was ist nun besser?

Kunz: Sie hat viel Einfluss auf Persönlichkeit und Sprache genommen und so den Kontrast zur männlichen Hauptfigur verstärkt. In der Drehbuchfassung waren beide sehr nah beieinander in ihrer Art zu sprechen – etwas kompliziert, in Metaphern und Zitaten. Claudia hat das am Anfang auch versucht und auf dieser Ebene mit Nicholas argumentiert. Dann meinte sie aber, dass die zupackende Person, die sie spielt, auch nicht lange um den heißen Brei herumreden sollte. Damit hatte sie vollkommen recht.

Martin (Nicholas Reinke) gesteht Isabel (Claudia Eisinger) in letzter Minute seine Liebe. © Kaissar Film / NFP

Martin (Nicholas Reinke) gesteht Isabel (Claudia Eisinger) in letzter Minute seine Liebe. © Kaissar Film / NFP

Ihr Film gilt als romantische Komödie. Wie wollen sie mit einer solchen romantic comedy Männer ins Kino locken?

Kunz: (lacht) Ich habe mir sagen lassen, dass die Männer mit den Frauen mitgehen müssen. Ansonsten ist es nicht unproblematisch mit diesen Schubladen und dem Denken in Genres. Drei Stunden ist vom Inhalt und der Struktur so nahe an einer romantic comedy, dass ich nicht behaupten kann, es wäre keine. Aber ich muss mich natürlich ab diesem Moment mit der Erwartung der Zuschauer auseinandersetzen. Diese Erwartung muss ich nicht eins zu eins erfüllen – aber wenn ich das schon nicht tue, dann auf eine Weise, die das Publikum nicht enttäuscht. Drei Stunden ist in erster Linie eine Liebesgeschichte, komödiantisch wird es vor allem bei den Nebenfiguren, in den Dialogen, im augenzwinkernden Umgang mit dem Genre Liebesfilm. Und das haben wir sehr gut hinbekommen.

Zum Schluss muss ich natürlich eine Frage aus Ihrem Film aufgreifen: „Kriegen die sich am Ende?“

Kunz: Das wird jetzt wirklich nicht verraten.

Also ab ins Kino und Drei Stunden anschauen. Herr Kunz, ich danke für das Gespräch.

3Stunden_PlakatINFO

Boris Kunz stellt Drei Stunden am Mittwoch, 31. Juli, um 19.30 Uhr in der Filmgalerie Bad Füssing vor. Kartenreservierung unter Telefon 08531/29284.

Zu Film und Regisseur

Boris Kunz, Jahrgang 1979, sammelte bei der Serie SOKO 5113 seine erste Erfahrungen am Set. Mit Kurzfilmen über den kauzigen Detektiv Maxwell baute er eine erste kleine Fangemeinde auf. 2004 begann Kunz sein Studium der Spielfilmregie an der HFF München und drehte unter anderem den mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm Daniels Asche.

Boris KunzDrei Stunden ist nun sein Kinodebüt, und darum geht es: Martin (Nicholas Reinke) ist ein stiller, aber beharrlicher Poet, der seit Jahren an seinem Theaterstück über Luftschlösser, fliegende Piraten und eine kämpferische Prinzessin arbeitet. Heimliches Vorbild für seine Hauptfigur ist seine beste Freundin Isabel (Claudia Eisinger), eine junge Frau mit frechem Mundwerk, die rund um den Globus einen Kampf gegen Gentechnik-Saatgut führt. Und schon morgen wird sie wieder aufbrechen, für drei Jahre nach Mali. Am Abflugschalter gesteht Martin ihr seine Liebe – ein Geständnis, das nun zu spät kommt. Als Isabels Flug sich um mehrere Stunden verschiebt, bricht sie in die Stadt auf, um mit Martin zu sprechen. Doch erst mitten in der Nacht treffen sich die beiden vor Martins Wohnungstür und haben noch drei Stunden Zeit, sich zu entscheiden.

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