Mein Album des Monats (Juni 2013): Hasemanns Töchter

Maria Hafner und Julia Loibl singen – auf bayrisch und mit Akkordeon – Lieder vom Leben und Lieben, von der Alm und von der Sünd’, von Skurrilitäten und vom Zirkus. Warum gerade das mein Album des Monats ist, könnt Ihr lesen, wenn Ihr weiterklickt.

Eines gleich vorweg: Wer es nicht schräg, laut, deftig, bayrisch oder ironisch mag, der sollte Hasemanns Töchter meiden. Schon die Pressemappe warnt vor einem „virtuos-kabarettistischen Akkordeonduell“ und der „Inkarnation bayerischer Volkssängerinnen“, von „dadaistischen Soulbretten“ und „valentinesken Katastrophen“. Tatsächlich bieten Hasemanns Töchter all das, kunterbunt gemischt.

Da ich selbst jahrelang Akkordeon gespielt habe, und das nicht mal schlecht, darf ich behaupten: Virtuosinnen auf dem Instrument scheinen die beiden Damen nicht sein zu wollen. Die Melodien sind so eingängig, dass man sie sofort mitsingen kann (a gscheite Musi hoid!). Man hört Tasten, Knöpfe und Register klappern, oft klingt’s gewollt schief. Doch manchmal zeigen sie dann doch, was man aus dem Instrument alles rausholen kann, wenn sie wie bei Es hod ned gfunkt eine bedrohliche Stimmung aufbauen.

Skuril, herzzerreißend, größenwahnsinnig

HasemannsToechterCoverWas das Album so besonders macht, ist zum einen der Gesang. Hasemanns Töchter haben glockenklare Stimmen – setzen sie aber oft genug zum Glucksen und Grunzen, Schluchzen und Heulen, Wiehern und Mähen, Schreien und Schimpfen ein. Zum anderen sind es die Texte: Da wird die bayerische Tradition durch den Kakao gezogen – egal ob es um den immerwährenden Durscht auf Bier (Biovollkornnudelauflauf, Die Straußlaus) und den Heißhunger auf Leberkas, das Bayerische an sich (Das Oadelwoass) oder das schlechte Englisch vieler Bayern (The PigbearSnorter) geht. Sie erzählen abstruse Begebenheiten (Isarsplittern, das Video gibt’s oben zu sehen), herzzerreißende Geschichten (Agnes), es gibt famose Wendungen (Integernsee, Sirene, AntiZen) und manchmal ist es einfach völlig durchgeknallt (Hasendada). Geradezu grandios größenwahnsinnig: Richard Strauss’ Also sprach Zarathustra und No one knows I’m gone von Tom Waits auf zwei Akkordeons nachzuspielen!

Hasemanns Töchter haben mich erobert, mit Schirm, Charme und Akkordeon! Sie überraschen den Zuhörer bei jedem Lied und jedem Gedicht aufs Neue. Ich freue mich schon jetzt, die beiden einmal live zu sehen. Und (fast) zum Schluss gibt’s noch ihren Riesenhit:

 

BrassBandaCover

Wollt Ihr noch wissen, wer bei der Auswahl zum Album des Monats ausgestochen wurde?

LaBrassBanda mit Europa: ein von vorne bis hinten empfehlenswertes Album, bei dem mir allerdings in der ersten Hälfte neue Impulse fehlen. Da klingen die Rhythmen und Beats wie aus den ersten beiden Alben hinüberkopiert. Erst bei Stücken wie dem Elektro-Brass Frankreich den ruhigen Instrumentals Russland und Griechenland, dem groovenden Western, sowie dem tieftraurigen, hoffnungsfrohen, tanzbaren Opa merkt man: hier will eine Band wirklich Europa erobern.

TexasConversationCoverLange (nämlich seit acht Jahren) erwartet, rundum solide und ebenfalls uneingeschränkt empfehlenswert: The Conversation von Texas. Sie spielen ein wenig mit angezogener Handbremse, meine Anspieltipps sind die eher schnelleren Stücke: Die Single The Conversation, Detroit City, Hearts are made to stray und Big world.

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2 Kommentare zu “Mein Album des Monats (Juni 2013): Hasemanns Töchter

  1. Ich tu mich immer noch schwer, aber wenn ich auf meinen Musikserver schaue, dann finde ich doch viele bayerische Künstler und Musikanten wie den Stadtindianer WIlly Michl, Hans Söllner, Ringsgwandl, die ganze Familie Well und viele mehr – ach ja und den alten Schneefahrer Konstantin hab ich auch gerne. Ich sollte unseren Künstlern eine Chance geben und werde mir die Hansemanns Töchter mal näher anhören. La BrassaBanda ist leider nicht mein Stil. Dennoch: Bayern Power nach vorne.

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