Vaterfreuden (VII): Babyschwimmen

Eine Wasserratte war ich noch nie. Ich bin kein guter Schwimmer, einen Strandurlaub halte ich nicht lange aus, ins Freibad gehe ich selten freiwillig, Hallenbäder mag ich erst recht nicht. Es war also ein großer Liebesbeweis für meine Damen, als ich die Begleitung beim Babyschwimmen übernommen habe.

Gemindert wurde meine mangelnde Vorfreude außerdem durch die Tatsache, dass sich unsere Kleine ähnlich zu entwickeln scheint wie ich: beim Schwimmen wird bisher mehr gequengelt als gespielt. Womöglich liegt das aber auch daran, dass wir einfach zu unregelmäßig (Fieber! Ferien! Flut!) dort waren.

Üben im Plantschbecken

Ich habe also versucht, den ganzen Tag über meine gute Laune zu behalten und auch welche zu verbreiten. Als Generalprobe sozusagen habe ich unserer Kleinen auch zum ersten Mal das Plantschbecken aufgebaut. Ideal bei dieser Affenhitze, aber auch das fand sie eher gewöhnungsbedürftig, als dass es großen Babyspaß vermittelt hätte. Mit hineinsetzen wäre wohl eine Lösung gewesen, aber wir besitzen (wie uns versichert wurde) das kleinstmögliche Modell eines Plantschbeckens, damit es auf den Balkon passt.

Handelsübliche Schwimmflügel anlegen - das kann für einen abgehetzten Vater schon schwierig werden...

Handelsübliche Schwimmflügel anlegen – das kann für einen abgehetzten Vater schon schwierig werden…

Das Babyschwimmen selbst startete schon unter ungünstigen Vorzeichen. Die Kleine schläft zuhause bis kurz vor knapp, beim Kurzeinkauf vorher bleiben wir ewig an der Supermarktkasse hängen. Ich komme abgehetzt an der Schwimmhalle an und erfahre: es ging bereits los. Also schnell die Kleine umgezogen (gefällt ihr nicht), in die Halle gerannt (gefällt mir nicht), Schwimmflügel angezogen („das müssen wir dem Papa aber nochmal erklären“) und ab ins Wasser (uuäääh!).

Eins, zwei, drei: Geschrei

Die folgenden 20 Minuten sind für Vater und Tochter der reine Stress. Sie hängt praktisch ununterbrochen an meinem Arm. Wenn die Schwimmtrainerin kommt, wird gequengelt. Dabei macht die doch so lustige Spiele! Mit einem Sieb! Das Wasser lässt sie dabei unserer Kleinen nicht wie den anderen auf den Kopf tropfen, um den Anwesenden das Geschrei zu ersparen. Das gemeinsame Singen, Klatschen und Spritzen wird zum Desaster, weil der begeisterte kleine Schwimmer nebenan mit so viel Elan dabei ist, dass die Kleine einen ganzen Schwall Wasser abbekommt – das Geschrei geht in die nächste Runde. Ich ernte mitleidige Blicke, fühle mich aber gleich besser, als endlich (!) ein zweites Kleinkind in der Runde auch zu Heulen anfängt.

Spaß macht nur die Umkleide

Die schönsten Momente des Babyschwimmens erleben wir hinterher in der Umkleide. Die Kleine ist wie ausgewechselt, strahlt die Lampen an, zeigt auf alles und jeden und plappert herum. Unter der Gemeinschaftsdusche betrachtet sie ganz fasziniert einen Vater mit Sohn, der etwas gegen das Einshampoonieren hat. Das Spektakel der zwei nackten Kerls nebenan nutze ich, um die Kleine zu waschen und zu duschen – was einwandfrei und lachend funktioniert. Selbst das etwas umständliche Umziehen (warum gibt es beim Babyschwimmen keine Wickelkommoden?) nimmt sie gelassen hin.

Mein Fazit dieses Schwimmabends? 1. Immer ausgeschlafen – also am besten morgens, wie sonst auch – hingehen. 2. Immer rechtzeitig da sein, damit sich das Kleinkind akklimatisieren kann. 3. Immer Ruhe bewahren. 4. So schlimm war’s nun wirklich nicht (die schönen Minuten habe ich unterschlagen). Und 5. Das Babyschwimmen lasse ich trotzdem eine Mutter-Tochter-Angelegenheit sein.

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Ein Kommentar zu “Vaterfreuden (VII): Babyschwimmen

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