Vaterfreuden (VI): Daheim. Allein.

Ich bin das ja gewohnt. Elternzeit. Vormittags allein mit der Kleinen. Nachmittags reger Wechsel, damit sich die Erwachsenen einmal anderen Projekten als dem Nachwuchs widmen können. Sieben Monate lang geht das im Moment so. Elternalltag. Doch das, was gerade passiert, ist für mich besonders aufregend. Mama ist nicht da. Drei Tage lang. Unterwegs in der Hauptstadt. Papa und Tochter allein zuhause. Zeit für einen Liveblog.

Donnerstag, 9.40 Uhr: alles Routine

Der erste Vormittag verläuft gewohnt routiniert. Nachdem sich Mama zunächst in die Arbeit verabschiedet hat, starten die Kleine und ich unser übliches Morgenprogramm: eine gemeinsame Stunde im Bad, ein wenig den Schuhschrank aus- und wieder einräumen, nun sind beide frisch, dann noch ein kurzes Telefonat mit der Uroma und mittlerweile wird schon das Vormittagsschläfchen gehalten. Nachher gibt’s dann das zweite Frühstück und dann – ja dann – bringen wir Mama das Gepäck zum Bahnhof, und dann ist sie endgültig weg. Und ich frage mich: Hätte ich mit der Kleinen nicht auch wegfahren sollen? Zu den Großeltern flüchten? Nein! Wir beiden schaffen das schon! Was sind denn schon drei Tage?!?

Donnerstag, 13.40 Uhr: Spaß, Spiel und Sortieren

Die Gepäckübergabe hat gut funktioniert und die Kleine hat Mama mit einem breiten Grinsen am Bahngleis verabschiedet. Zurück daheim gibt es ein schönes Menü, im Restaurant würde ich es nennen: mediterranes Ratatouille auf italienischem Kurznudeln, fein zerhackt. Ich bekomme dasselbe und für mich heißt es: aufgewärmte Nudeln und Gemüsesoße vom Vortag. Während ich abspüle ist es draußen im Flur verdächtig ruhig, die Kleine verteilt die Zeitung und Schuhe auf dem Boden herum und ich kann gerade noch verhindern, dass mit einem Ruck Telefon und Internetanschluss lahmgelegt werden. Wir räumen gemeinsam wieder auf, ein schönes Spiel.

Apropos Spiel: vor ein paar Tagen habe ich meine Facebook-Freunde nach Tipps zum Zeitvertreib mit Baby bei schlechtem Wetter gebeten und versprochen, sie zu erfüllen. Am heutigen frühen Nachmittag Tipp 1:

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Schubladen, Bilderbücher, mitmachen – kein Problem, kennen und können wir. Wir versuchen es also mit einer abgewandelten Form des Korkenspiels, mit Knöpfen und Wäscheklammern und einer Babytücherbox. Und siehe da, die Kleine hat Spaß daran. Auch wenn sie nach fünf Minuten beginnt, die Knöpfe im Kassettendeck unserer alten Stereoanlage zu verstecken und sich bald mehr für den Lautstärkeregler interessiert (ist das laut!!!!) – das wird noch ein paar Mal ausprobiert.

Donnerstag, 20.36 Uhr: Radau vor der Ruhe

Endlich schläft die Kleine. Sie war aufgedreht wie ein Duracellhäschen und zwischen dem ersten Versuch, sie ins Bett zu bringen, und dem (hoffentlich tiefen) Schlaf lag eine knappe Stunde. Was waren das aber auch für Eindrücke heute Nachmittag! Ich hatte es doch tatsächlich gewagt – und das, obwohl die Zehneinhalbmonatige derzeit ziemlich fremdelt – zwei Freunde zum Kaffee einzuladen. Und das war ein voller Erfolg, nicht nur wegen des leckeren Kuchens für mich. Zwei Stunden spielen und Aufmerksamkeit von gleich drei Erwachsenen! Danach war sie so platt, dass sie im Kinderwagen einen Sekundenschlaf gehalten hat. Der brachte natürlich die Energie für den restlichen Abend, der mir wiederum meine geraubt hat. Daher verabschiede ich mich nun auch. Ins Bett.

Freitag, 10.30 Uhr: wir waren unterwegs

Sorry, ich hatte keinen Foto dabei, deshalb gibt es dieses hier von einem anderen Markt (Quelle: Wikimedia Commons/Stadt Dachau).

Sorry, ich hatte keinen Foto dabei, deshalb gibt es dieses hier von einem anderen Markt (Quelle: Wikimedia Commons/Stadt Dachau).

Was für ein schöner Vormittag, wenn auch ein eiskalter. Wir beiden sind auf den Passauer Wochenmarkt gegangen – ein voller Erfolg: Die Kleine bekommt eine Semmel geschenkt und kaut freudig darauf herum, ich trinke mit Freunden einen Kaffee (Glühwein wäre bei 5 Grad auch o.k. gewesen), treffe noch viele weitere und werde für morgen zum Mittagessen eingeladen. So kann’s weitergehen. 😉

Wie schön man so ein Bidet doch zum Plantschen nutzen kann. Und wenn nur ganz wenig Wasser darin ist, muss sich Papa auch keine Sorgen machen (Foto: Haas).

Wie schön man so ein Bidet doch zum Plantschen nutzen kann. Und wenn nur ganz wenig Wasser darin ist, muss sich Papa auch keine Sorgen um nasse Kleidung machen (Foto: Haas).

Sorgt immer für Spannung: die Waschmaschine (Foto: Haas).

Sorgt immer für Spannung: die Waschmaschine (Foto: Haas).

Freitag, 14.15 Uhr: Die schöne Stunde im Bad

Die Zeit im Bad ist doch irgendwie die entspannteste. Nirgendwo sonst beschäftigt sich die Kleine so selbständig und ist so in ihrem Element. Da wäre zum einen unser Bidet, das sich herrlich als Plantschbecken für die Babyhände nutzen lässt. Außerdem macht es einen Heidenspaß, den Kopf an die Trommel der laufenden Waschmaschine zu stecken und später mit Papa zusammen die Kleidungsstücke aufzuhängen und sie aus dem Wäschekorb zu ziehen. Worte wie Hose und Bügel haben wir auch schon geübt, ich bin gespannt, ob sie die morgen noch weiß.

Freitagnachmittag, zwischen 17 und 19 Uhr: Die Zeit vergeht so langsam

Die Wolken draußen werden dunkler und dunkler, das Thermometer fällt gefühlt bis an den Gefrierpunkt, an Rausgehen ist nicht zu denken. Zeit also, weitere Vorschläge meiner Freunde in die Tat umzusetzen:

Ich interpretiere das „mitflogen“ mal als mitbloggen und präsentiere voller Stolz ihren ersten Blogeintrag, für den sie nur eine Minute gebraucht hat! „Zz  bh  v               zzvv nji,o≤æ@πæ •@æ@kop,.o.op,.opx œ@xxxxxxxxxxæ@æ@ æ @•≤≤≤≤≤≤≤≤≤≤≤≤≤ææ‘√ªæ@π ,©√‘©√gjjjhzfucq-.pokü.-pü.-pü-püüpä.-x­ älü#vcz5cv6vv66z56ccccc6fv“

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Keine Sorge: Bayern-Fan wird sie mit dem schwäbischen Vater sicherlich nicht 😉 Aber um ehrlich zu sein: die Sendung mit der Maus fand sie irgendwie lustiger als Fußball. Aber ich hab’s versucht. Und würde jetzt irgendwie gerne Sport machen. Doch schon wieder schnell mit dem Kinderwagen durch die Gegend laufen, gar joggen gehen, bei dem Wetter? Ich entscheide mich stattdessen: wir gehen jetzt zum Badmintontraining. Zumindest den anderen zuschauen, wenn nicht aktiv dabei sein. Doch dieser Plan scheitert an der in den Pfingstferien geschlossenen Turnhalle, also rundet doch ein Spaziergang im Regen den Tag ab, den zweiten, wohlgemerkt.

Samstag, 5.45 Uhr: Guten Morgen!

Schlaf für Babys wird generell überbewertet, findet zumindest ein kleines, im Bett herumturnendes und „Baba“, „Baba“ brabbelndes Wesen im Nebenzimmer. Die nächsten Stunden ist sie zwar voller Tatendrang (siehe das Bild unten), ist aber auch gelaunt, wie ein unausgeschlafenes Baby eben gelaunt ist. Ein Glück wird heute genug Abwechslung geboten.

Einmal durch den Papierkorb wühlen. Das macht Spaß.

Einmal durch den Papierkorb wühlen. Das macht Spaß.

Samstag, 9.06 Uhr: Waschen, Räumen, Putzen, Staunen

Ich putze den Boden, auf den Knien durch die Wohnung krabbelnd. Die Kleine hinterher. Das Lockmittel: die Flasche mit dem Putzmittel (keine Sorge: fest verschlossen und wird immer wieder außer Reichweite gestellt!). Wie lange halten wir das wohl durch? Als sie anfängt unruhig zu werden, wische ich immer schneller, glücklicherweise drehe ich einmal den Teppich am Rand um, um darunter zu putzen – die Kleine macht es nach und ist erstmal drei Minuten beschäftigt. Das reicht fürs komplette Bad. Wir räumen auch noch die Spülmaschine ein, füllen mal wieder eine Waschmaschine, eine knappe Stunde geht das so. Ich hatte endlich mein Sportprogramm, die Kleine braucht nun ihren Vormittagsschlaf. Pause für uns beide.

Samstag, 15.40 Uhr: Wir stärken die Medienkompetenz

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Und der Rest des Tages ist zum Glück sehr schnell beschrieben: Lauter liebe Menschen! Zu Besuch zum Teetrinken, Quatschen und Spielen am Vormittag; eingeladen zum Mittagessen; und Familienbesuch ein paar Kilometer entfernt. Und auf dem Rückweg am Abend: Mama vom Bahnhof abholen. War doch ein Klacks, das Alles!

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