GOLD: Die wissen, was sie können

GOLD_Plakat_finalSie laufen den Marathon synchron, weil sie blind sind. Sie schwimmen trotz Querschnittslähmung Rekordzeiten und sind die schnellsten Rollstuhlfahrer. „Gold“ erzählt die Geschichte dreier Spitzensportler auf ihrem Weg zu den Paralympischen Spielen in London – und nun stellt ein niederbayerischer Rollstuhltennis-Champion diesen außergewöhnlichen Dokumentarfilm vor. Kein Geringerer als Peter Seidl kommt am Mittwoch, 15. Mai, um 19.30 Uhr in die Filmgalerie Bad Füssing und wird den Zuschauern nach der Vorstellung von „Gold – Du kannst mehr als Du denkst“ Rede und Antwort stehen.

Seidl ist seit 20 Jahren einer der besten deutschen Rollstuhltennisspieler, holte insgesamt 13 deutsche und 7 bayerische Meisterschaften im Einzel oder Doppel. Der Tennis-Champion aus Ruderting war 2005 Niederbayerns Behindertensportler des Jahres und belegt aktuell Rang 62 der Rollstuhltennis-Weltrangliste. Mir hat er vor seinem Besuch in Bad Füssing ein paar Fragen beantwortet (im Auftrag der Passauer Neuen Presse).

Peter Seidl in Aktion bei den Büchlberg Open 2013 (Foto: Seidl/privat).

Peter Seidl in Aktion bei den Büchlberg Open 2013 (Foto: Seidl/privat).

Lieber Herr Seidl, ihr letztes Turnier war ein Heimspiel: die Büchlberg Open Ende April. Wie ging es für Sie aus?

Peter Seidl: Nicht ganz so wie erwünscht. Sowohl im Einzel als auch im Doppel bin ich im Halbfinale ausgeschieden, vergangenes Jahr hat es noch zum Turniergewinn im Einzel und zur Finalteilnahme im Doppel gereicht. Aber so ist das eben: Ich hatte nebenbei die Turnierleitung, habe an einem Tag ein knapp dreistündiges Viertelfinale und danach die beiden Halbfinals gespielt – das war körperlich und mental zu anstrengend, ich war platt. Man kann nur bestehen, wenn man voll auf der Höhe ist.

Was treibt Sie zu sportlichen Höchstleistungen an?

Seidl: Ich mochte schon immer den Wettkampf und bin ein leidenschaftlicher Turniermensch, der sich auf den Punkt konzentrieren kann. Wenn ich Erfolg habe, dann will ich mehr davon – und nach Niederlagen will ich mich weiter verbessern und es wieder gut machen. Dazu kommt natürlich noch der Aspekt, dass ich einfach gerne unterwegs bin und auf Turnieren neue Leute kennenlerne.

Warum spielen Sie gerade Rollstuhltennis?

Seidl: Ein Ballspieler war ich schon immer. Nach meinem Unfall vor mehr als 25 Jahren hatte ich zunächst nicht gewusst, dass es Rollstuhltennis gibt, da lag ich noch im Krankenhaus und dachte mir: Schade, das war es nun mit dem Filzball. Dann habe ich aber einen Bericht im Fernsehen gesehen und wusste sofort: Das ist mein Ding. Mit Rollstuhl-Basketball oder -Tischtennis war das nicht so.

Peter Seidl beim Aufschlag, Büchlberg Open 2013 (Foto: Seidl/privat).

Peter Seidl beim Aufschlag, Büchlberg Open 2013 (Foto: Seidl/privat).

Spielen Sie auch mit „Fußgängern“?

Seidl: Natürlich, fast immer, weil es einen schönen Trainingseffekt hat. Das ist ja das Schöne am Rollstuhltennis: ich kann mit jedem auf den Platz gehen, es ist ein schöner integrativer Sport. Weder ich noch der Mitspieler – oder Gegner, ganz wie Sie wollen – müssen sich irgendwie umstellen.

Am Abend des 15. Mai kommen Sie in die Filmgalerie Bad Füssing, um den Film „Gold“ vorzustellen. Der Untertitel der Dokumentation lautet „Du kannst mehr als du denkst“. Passt dieser Spruch zu Ihnen?

Seidl: Der Spruch passt sehr gut zu denen, die keine Behinderung haben. Denn Außenstehende können sich meist nicht vorstellen, dass man im Rollstuhl solche Dinge zu leisten imstande ist. Die wundern sich, wenn ich selbst Auto fahre oder alleine verreise, vom Tennis ganz zu schweigen. „Du kannst mehr als du denkst“ – das passt meiner Meinung nach zu begrenzt Denkenden, die ihre eigenen Probleme groß machen und die glauben, dass man mit einer Behinderung kein gutes Leben haben kann. Dabei ist das gar nicht so.

„Gold“ begleitet drei Sportler nach London zu den Paralympics. Diesen Traum konnten Sie sich nicht erfüllen.

Seidl: Für mich ist dieser Zug abgefahren. Rollstuhltennis ist der einzige Sport, wo es keine Behinderungsklassen gibt, da spiele ich als Querschnittsgelähmter gegen körperlich viel stärkere Unterschenkelamputierte. Im Tischtennis gibt es zum Beispiel sieben Schadensklassen. Das ist schon fast übertrieben, aber die Chancengleichheit muss schon einigermaßen hergestellt sein. Die internationalen Normen werden eben nicht immer anerkannt. Wenn mir das Deutsche Olympische Komitee dann Rang 20 und besser zur Olympiateilnahme vorschreibt, ist das praktisch unmöglich und ein wenig traurig.

Eine der Hauptdarstellerinnen des Films: Schwimmerin Kirsten Bruhn (Foto: FP/Parapictures Film Production)

Eine der Hauptdarstellerinnen des Films: Schwimmerin Kirsten Bruhn (Foto: FP/Parapictures Film Production)

ZUM FILM

„Gold – Du kannst mehr als du denkst“ erzählt die Lebensgeschichten dreier außergewöhnlicher Spitzensportler: der blinde Marathonläufer Henry Wanyoike, die querschnittgelähmte Schwimmerin Kirsten Bruhn aus Deutschland und der australische Rennrollstuhlfahrer Kurt Fearnley. Über ein Jahr hat das Filmteam die Drei beim Training beobachtet und tiefe Einblicke in ihr Privatleben gewonnen; denn auch im ganz normalen Alltag leisten sie Großes, setzen sich für ihre Mitmenschen ein und zeigen so, dass in jedem von uns etwas Außergewöhnliches und Wertvolles steckt. Der Dokumentarfilm erreicht seinen Höhepunkt bei den Paralympics in London, wo die Stadt die Athleten feiert und Sportler wie Zuschauer eine enorme Lebensfreude versprühen – in jedem Menschen steckt eben ein bisschen Gold.

Die Drei Film-und-Gold-Helden: Kurt Fearnley, Henry Wanyoike und Kirsten Bruhn (Foto: FP/Parapictures Film Production)

Die Drei Film-und-Gold-Helden: Kurt Fearnley, Henry Wanyoike und Kirsten Bruhn (Foto: FP/Parapictures Film Production)

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