Album des Monats (März 2013): Claudia Koreck – Honu Lani

Sie hat den Blues, und so viel mehr. Die bayerische (Mundart-)Sängerin Claudia Koreck hat ihr viertes Album aufgenommen. Honu Lani entstand auf Hawaii versteckt, in trauter Familien-Dreisamkeit, und ihre ersten Ideen sind praktisch ungefiltert auf diesem Album gelandet.

honu-lani-Cover

Musiziert hat Koreck mit allem, was sie finden konnte: Holzfiguren, Muschelketten, Kokosnüsse, Bretter und der Zimmerboden sind auf dem Album zu hören. Selbst der Gesang ist später im Studio nicht mehr neu aufgenommen worden. Und so klingt dieses Album nach so vielem gleichzeitig: nach Hawaii und Südsee, nach bayerischer Bodenständigkeit mit südländischem Gitarrenzupfen, nach Fernweh und Heimweh.

Wie immer kommt es auch auf die Texte an. Claudia Koreck konserviert die kleinen, ruhigen Momente („wenn die Welt dir an Vogel zeigt, lass ihn fliang“). Dass ihr einjähriger Sohn auf Kloaner Mo mitbrabbeln darf, überschreitet zwar die Kitsch- und Mutterglückgrenze. Dafür werden alle Eltern diese Zeilen bestätigen: „Solang i ko, geb i di nimmer her…“.

Boarisch muaß ma mögn

Wer boarisch überhaupt nicht versteht oder nix damit anfangen kann oder will, der wird sich auch von dieser überaus talentierten Musikerin (2002/3 gewann sie den Förderpreis Junge Musik-Szene der Berliner Festspiele) mitsamt Band nicht verzaubern lassen. Ich habe Koreck zum Beispiel 2009 in Berlin beim Volksfest zur Bundespräsidenten-Wahl auf der Bayern-Bühne gesehen und fand’s super, die preußischen Kollegen aber haben nichts verstanden…

Doch zurück zu Honu Lani – wo die stärksten beiden Stücke ziemlich am Anfang auftauchen: Die Single Danzn wird vorangetrieben durch Klatschen, Akustikgitarre und Vocal-Percussion; Anna ist stimmungsvoller Abgesang auf engstirnige und desillusionierte Weltverbesserer. Weitere Anspieltipps sind Sonn (hellt den trüben Winter 2013 auf und ist eine Aufforderung im Bluesgewand: kriegt den Arsch hoch) und Oktober (ebenfalls ein entspannter Blues).

Schwelgen und Schweigen

Und dann gibt es jede Menge Nachdenkliches: das tief traurige Schweigen, das sich vom ersten Takt an als ein besonderes, schweres, gefühlvolles Lied über Streit und Versöhnung aufbaut. Meilenweit Meer ist wieder so ein herrlich trauriges Lied über Trennung, Sterben und Schmerz (ähnlich wie ’s ewige Lem, das Koreck als Titellied zu Joseph Vilsmaiers Neuverfilmung des Brandner Kaspar beigesteuert hatte). Und schließlich Daucha – wieder ein Lied, wo es ums Altsein, Alleinsein und Verlust geht. Und wieder ist es das Meer, das Wasser, das darin eine große Rolle spielt (und das stumpfe Fußklopfen direkt aus Hawaii).

In Bunter Vogel verspricht Claudia Koreck, dass sie uns die bösen Geister vertreiben wird. Mit ihrem Album Honu Lani gelingt ihr das problemlos – wenn sich der Zuhörer darauf einlassen will.

Noch mehr Musik

Vorbeigeschrammt am Titel „Album des Monats März 2013“ – Stereophonics: Graffiti on the Train. Richtig starke Opener sind We share the same sun und Graffiti on the train, danach wird’s recht beliebig und zum Teil sehr schmalzig. Der vorletzte Song In a moment ist aber ein richtiger Knaller. Verrissen wird das Album bei laut.de.

Graffiti_cover

Schon gespannt auf das Album des Monats April? Um diesen Titel werden sich mit Sicherheit ein paar alte Bekannte streiten: David Bowie oder Depeche Mode – ich brauche noch ein paar Wochen, um mir darüber klar zu werden…

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