Album des Monats (Februar 2013): Rodriguez – Searching for Sugar Man

Rodriguez_SearchingMein Album des Monats ist der Soundtrack zu einer wahnsinnigen, aber wahren Geschichte, die momentan im Kino erzählt wird: Sixto Rodriguez aus Detroit brachte Anfang der 70er-Jahre zwei Alben heraus, die in den USA floppten. In Südafrika wurde er ein Star, ohne davon zu wissen. Nun ist seine wunderbare Musik wieder aufgetaucht.

Noch heute kann sich niemand erklären, warum Rodriguez vor 40 Jahren nicht ganz groß rausgekommen ist. Seine Musik ist intensiv, einfühlsam und warm, die Texte sind kritisch, frech, radikal und traurig. Ich zumindest kann Searching for Sugar Man – praktisch ein Rodriguez-Best-of – wieder und wieder hören.

Doch seine beiden Alben floppten, die Plattenfirma ließ ihn fallen. Rodriguez hörte auf, professionell Musik zu machen. Ohne dass er etwas ahnte, wurde seine Musik in Südafrika ein Hit, vor allem in der Anti-Apartheid-Bewegung. Gerüchte besagten, der Sänger sei tot. Von wegen. Er lebte jahrelang als Bauarbeiter in Detroit, und tritt heute – mit über 70 – nun wieder vor ausverkauften Hallen auf.

Diese Geschichte ist kaum zu fassen, aber wahr, und wird in Searching for Sugar Man seit dem 27. Dezember 2012 auch hin deutschen Kinos erzählt. Der Soundtrack daraus ist mein Album des Monats. Musik, die einfühlsam, warm, laid back klingt, aber gleichzeitig Gesellschaftskritik betreibt, von Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Drogen, Alkohol, Sex, Prostitution erzählt.

Searching_Cover2

Bis in den Sommer 2013 soll es noch dauern, dann kommt die DVD über Rodriguez endlich in den Handel.

Der Opener Sugar man ist ein Lied voller Sehnsucht, wahrscheinlich nach dem ultimativen Drogentrip. Cause erzählt eine Geschichte von Arbeitslosigkeit und Prostitution auf der einen, Großkotzigkeit und Bonuszahlungen auf der anderen Seite. Sandrevan Lullaby/Lifestyles beginnt als ruhiges Schlaflied, und wird zum Aufschrei der Verzweifelten am Rande der Gesellschaft. Über ein Lied mit dem Titel This is not a song, it’s an outburst: or, the establishment blues braucht man nichts mehr zusätzlich zu sagen. Und bei A most disgusting song kommen all die einsamen Seelen zu ihrem Recht – ein Lied wie eine Mischung aus den Texten von Billy Joels Piano Man und dem Erzählstil eines Johnny Cash. Zwischendurch treiben bei Inner city blues und Can’t get away die Flöten das Lied voran und bieten überraschende Momente, bei Street boy ist es das reduzierte Schlagwerk, bei I wonder ist es der Bass. Und es gibt mit I Think of you auch ein wunderschön-schwülstiges Liebeslied.

Rodriguez ist nicht so radikal wie ein Bob Dylan – sowohl was die Texte als auch was das Kratzen der Stimme und das Herumnölen angeht. Er ist nicht so pathetisch wie Cat Stevens/Yusuf, aber ganz ähnlich in der Stimme. Er ist nicht so (gewollt?) mexikanisch-folkloristisch wie José Feliciano. Aber genau deshalb der perfekte Einstieg in die Folk-Singer-Songwriter-Szene der späten 60er und frühen 70er-Jahre. Am Ende dieses wunderbaren Albums dankt Rodriguez noch ganz brav fürs Zuhören. Dabei sollten wir ihm danken: für diese schöne Musik, auch wenn sie mit 40 Jahren Verspätung zu uns kommt.

LINKS

Searching for Sugar Man – Auch ein Album der Woche im Bayern-2-Zündfunk

Sixto Rodriguez auf Wikipedia

Die offizielle Website zum Film

Die Rodriguez-Homepage

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