Ein ruhig-sachlicher Weltvermesser(er) (für die Passauer Neue Presse)

Er spielt einen arbeitsamen Welt-Vermesser, der den Ton angibt, und ist doch selbst ein ruhiger, nachdenklicher und freundlicher Zeitgenosse. Albrecht Abraham Schuch spielt in „Die Vermessung der Welt“ keinen Geringeren als Alexander von Humboldt – und hat die Bestseller-Verfilmung in der Filmgalerie Bad Füssing vorgestellt. Dort hat er mir und den Zuschauern im gut besetzten Kinosaal Fragen beantwortet.

Beim Signieren eines Filmplakats: Albrecht Abraham Schuch in der Filmgalerie Bad Füssing (für die Fotos vielen Dank an Karin, Greta und Christian Mitzam).

Wie haben Sie sich auf den Dreh und Ihre Rolle vorbereitet? Reicht, um mit Alexander Humboldt zu sprechen, „die Neugier, immer die Neugier“?

Schuch: Über die beiden Hauptpersonen des Films wusste ich zu Beginn das Übliche: Gauß auf dem 10-Mark-Schein, die Berliner Humboldt-Universität. Das Schwierigste bei der Vorbereitung war, dass sie so kurzfristig ablief. Der Dreh für „Die Vermessung der Welt“ lief bereits und der Humboldt war noch nicht besetzt. Als ich ausgewählt wurde, hatte ich keine vier Wochen Zeit zur Vorbereitung. In der Zeit habe ich für eine Theaterpremiere geprobt, nebenher viele Humboldt-Biographien gelesen, sein Geburtsschloss in Tegel besucht und im Zug einen Musikwissenschaftler getroffen, der mir quasi als Vorlage gedient hat für den Humboldt im Alter. Aus seinen Augen sprach eine solche Neugier. Dazu kam noch, dass er viel über die Familie Mendelssohn Bescheid wusste – die hatten Humboldts Reisen mitfinanziert.

Der Teil der „Vermessung der Welt“, der sich mit Alexander von Humboldt beschäftigt, lebt von imposanten Bildern. Wo sind sie entstanden, und wie lief der Dreh ab?

Schuch: Gedreht haben wir in Ecuador. Dort war ich 17 Tage für den Dreh unterwegs – und habe sonst nichts anderes gemacht. Man steht um vier Uhr morgens auf, dreht den ganzen Tag bei tropischen Wetterverhältnissen, fährt stundenlang zur nächsten Location, isst und bespricht den nächsten Tag. Und so geht’s weiter. Mit Urlaub hat das nichts zu tun.

Haben Sie zumindest nach dem Dreh etwas vom Land mitbekommen?

Schuch: Tatsächlich. Ich musste einfach noch da bleiben und in diesem Land zur Ruhe kommen. Also bin ich mit einem alten Bus und einem klappernden Flugzeug in den Urwald gereist – zu einem Indianerstamm, der noch seine alte Kultur lebt: sie beziehen ihre Nahrung rein aus der Natur, es gibt noch einen alten Medizinmann, und sie nehmen verschiedene berauschende Flüssigkeiten zu sich.

„Die Vermessung der Welt“ wurde in 3D gedreht. Was macht den Unterschied zu einem normalen Dreh aus?

Schuch: Die 3D-Kamera ist der Hauptdarsteller und benötigt am Set die meiste Beachtung. Wegen der hohen Kosten hat man weniger Zeit. Es dauert ewig, die Kameras aufzubauen und sobald Regen fällt, ein Generator rauscht, jemand herumtrampelt oder eine Ameise unter der Kamera herumkriecht, darf man wieder von vorne anfangen. Das Schauspiel an sich wird zum Glück nicht beeinflusst – außer vielleicht, dass weniger Zeit zum Improvisieren bleibt.

Wie geht’s bei Ihnen persönlich weiter: mehr Film, weiter Theater?

Schuch: Weiter Theater, gerne weiter drehen und weiter Sprachen lernen. „Die Vermessung der Welt“ war ein großes Geschenk. Das Theater aber kann und will ich nicht aufgeben. Ab Februar spiele ich Maxim-Gorki-Theater bei einer Inszenierung von Macbeth, im Sommer geht es dann als Gast im Deutschen Theater weiter.

Albrecht Abraham Schuch, Danke für das Gespräch.

Schuch: Ich danke.

Das Filmplakat zu „Die Vermessung der Welt“, Regie: Detlev Buck, Verleih: Warner Bros.

ZU BUCH, FILM UND SCHAUSPIELER

Albrecht Abraham Schuch wurde 1985 in Jena geboren und spielt derzeit am Berliner Maxim-Gorki-Theater, unter anderem in „Jeder stirbt für sich allein”, „Ein Volksfeind” und „Madame Bovary”. Im Fernsehen war er bereits in „Neue Vahr Süd” und als Gast in vielen bekannten Krimiserien zu sehen.

Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß entdecken Anfang des 19. Jahrhunderts die Welt auf ganz unterschiedliche Weise. Der Naturforscher Humboldt reist in ferne Länder, um die Welt zu vermessen und fremde Kulturen, exotische Tiere und lebensfeindliche Landschaften zu erforschen. Der Mathematiker Gauß bleibt zu Hause, um die Welt zu berechnen. Ihm zur Seite steht seine Frau Johanna, die mit ihren einfachen Fragen die Antwort auf so manches mathematische Rätsel gibt.

Daniel Kehlmanns Roman „Die Vermessung der Welt“ stand ab Herbst 2005 wochenlang ganz oben in den Bestsellerlisten und wurde in über 40 Sprachen übersetzt. Die New York Times führt die fiktive Doppelbiographie an zweiter Stelle der weltweit meistverkauften Bücher des Jahres 2006. Allein in deutscher Sprache haben sich über zwei Millionen Exemplare verkauft.

Und so sieht es aus, wenn ein Schauspieler den Kinogästen Fragen beantwortet…

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