Album des Monats (Oktober 2012): The Darkness – Hot Cakes

Holt die Spandex-Anzüge raus, spielt Luftgitarre und bringt Eure Töchter in Sicherheit: The Darkness sind zurück! Ihr neues Album Hot Cakes kommt zwar nicht an ihr phänomenales Debüt heran, bietet aber jedem Fan des (un)gepflegten Glam-Rock das, was er sich wünscht.

Dem Erfolg von The Darkness zwischen 2003 (Permission To Land) und 2005 (One-Way Ticket To Hell…And Back) folgte der typische Rock’n’Roll-Absturz: Alkohol, Streit, Drogen. Doch nun zeigen die Brüder Hawkins und ihre Mitstreiter wieder, was sie wirklich sind: Eine richtig gute Band, die bei jedem Ton an AC/DC, Queen, Thin Lizzy oder auch die Scissor Sisters erinnert – und allen anderen zeigt, wie Glam-Rock wirklich geht. Hot Cakes rumpelt und quietscht und knallt und brennt und zischt und rummst.

Humor, Sex und heulende Gitarren

Der Opener Every Inch Of You zeigt schon, wo’s langgeht, und wo The Darkness herkommen. Justin Hawkins besingt seinen bisherigen Werdegang („I wanted to be a doctor, I wanted to be a vet. Until I heard ‚Communication Breakdown‘ on a TDK C 90 cassette“) huldigt dem Oralsex und macht sich zu Brian-May-ähnlichen Gitarren über sich und seine viel zu hohe Stimme lustig.

Die Comeback-Single Nothin’s Gonna Stop Us ist völlig uninspiriert und enttäuscht auf ganzer Linie. Dann wird das Tempo angezogen, und es geht viel, viel besser weiter: With A Woman ist eine Ode an die alten Helden mit vorwärtstreibenden Gitarren und Schlagzeug, Hawkins Stimme fliegt in ungeahnte Höhen, bei Keep me hangin’ on wird das Tempo angezogen, die melodiöse und stimmungsvollen Rock-Ballade Living Each Day Blind stellt wieder die Brian-May-ähnlichen Gitarren im Vordergrund.

Wir kreischen uns in ungeahnte Höhen

Dann die Leadsingle des Albums: Everybody Have A Good Time – ein stumpfer Titel. Das Riff zum Einstieg – ebenso stumpf, ein AC/DC-Klon, macht aber unglaublich viel Spaß. Und darum geht’s ja schließlich. Noch viel besser geht’s weiter bei She Just A Girl, Eddie. Wer bereits ein, zwei Bierchen intus hat, wird spätestens jetzt durch die Gegend hüpfen. Dann ein kurzer Durchhänger: Forbidden Love kommt mit zu sehr angezogener Handbremse daher. Das macht Concrete wieder wett: Schlagzeug und Gitarren donnern, und gegen Ende des Stücks darf fleißig mitgekreischt werden.

Und dann gibt es da noch ein ganz besonderes Cover: Street Spirit (Fade Out) ist eigentlich ein bedrückender Song von Radiohead, wird von The Darkness aber in Glamrock umgewandelt – und das funktioniert erstaunlich gut. Nach drei Minuten hat der Zuhörer so viel Euphorie, Melancholie, Falsettgesang und Gitarrensound erlebt, dass man erschöpft zusammensackt. Dieser Knaller wäre das perfekte Ende für Hot Cakes  gewesen. Aber da der noch so lange nachhallt, lässt sich das langweilige Love is not the answer gut verkraften.

Wer also gut gelaunte Rockmusik sucht, die erstens opulent und zweitens wie früher klingt, aber jung und von heute ist, dem lege ich dieses Album ans Herz. Oder in die Luftgitarre spielende Hand. Oder – Justin Hawkins wird’s mir danken – in die Hosentasche oder den Ausschnitt: Hot Cakes von The Darkness.

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