Vaterfreuden (II): E-Mails an Katja

Wir schreiben gerne Briefe und Postkarten, und freuen uns auch, wenn wir dieselben in unserem Briefkasten finden. Zur Geburt unserer Tochter haben wir Geburtsanzeigen verschickt und jede Menge Antworten bekommen. Von lieben Freunden, mit lieben Grüßen, mit lieben Motiven. Darüber haben wir uns wirklich und von Herzen gefreut. Für ganz besondere Momente sorgen aber die Briefe, die man nicht erwartet hat…

Die erste Anschaffung unserer Tochter gleich an ihrem zweiten Lebenstag: Eine Spreizhose (Foto: Haas).

So flatterte uns bereits nach zwei Wochen die erste an unsere Tochter adressierte Rechnung ins Haus. Anzeichen einer leichten Hüftdysplasie, Spreizhose, 110 Euro – datiert auf den Tag nach ihrer Geburt. Hatte ich nicht mal irgendwo gelesen, dass ein Kind die Eltern bis zur Volljährigkeit 200.000 Euro kostet? Da liegt die unsere ja gut im Plan.

„Wenden Sie sich bitte an die Behörde“

Nur zwei Tage später: die nächste offizielle Post. Das Bundeszentralamt für Steuern schickt unserer Tochter ihre Identifikationsnummer. „Sie werden gebeten, dieses Schreiben aufzubewahren, auch wenn Sie derzeit steuerlich nicht geführt werden sollten. (…) Sollten Sie Fehler in den gespeicherten Daten feststellen, wenden Sie sich bitte an die oben unter der Rücksendeadresse aufgeführte Behörde.“ Das wird sie dann beizeiten tun.

Besser machte es die AOK, als die unserer Tochter ihre Versichertenkarte schickte: die Versicherung duzte die Kleine und weist sie nun regelmäßig und rechtzeitig auf ihre Vorsorgeuntersuchungen hin („Das ist doch ein Superservice, oder?“): „Sag doch bitte deinen Eltern, dass Sie einen Termin für die Vorsorgeuntersuchung U4 ausmachen sollten.“

Diese Aufkleber kennt jeder – da stört es doch nicht, wenn der falsche Name darauf steht…

Aufkleber und Sparprämien – für die Falsche

Da fühlen wir uns ja richtig gut aufgehoben – wie übrigens auch bei den Hunderten von Babyclubs, bei denen man so Mitglied werden kann. Dm Babyclub, Pampers World, HIPPster oder wie man sie alle nennen mag. Wir sind dabei. Wir sammeln Punkte, lassen dadurch gutwillig unser Einkaufsverhalten analysieren und hoffen auf das große Windelpaket, wenn wir nach dem Willen der großen Firmen handeln.

Das Einzige, was wir nicht verraten haben: das Geburtsdatum und der richtige Name unserer Tochter. Und so kommt es, dass sie einmal Mitte Juni und einmal Mitte Juli Geburtstag hat, wir regelmäßig Newsletter mit den neuesten Angeboten für ein Baby mit dem Namen Katja geschickt bekommen und einen Auto-Aufkleber „Mareike an Bord“ besitzen. Und für den Lacher, dass bei der Commerzbank nun ein Sparbuch auf unsere Tochter Suleika wartet, haben wir sogar auf 30 Euro Sparprämie verzichtet. Kann ich die nun eigentlich auf die 200.000-Euro-Rechnung aufschlagen?

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