Im Kino und auf DVD: Eines Tages (PNP, Oktober 2012)

Wenn ich für die Passauer Neue Presse in Bad Füssing bin, lerne ich meist ungewöhnliche Menschen kennen: Regisseure, Produzenten, Schauspieler. Dieses Mal hatte ich die Ehre, einen ganz Großen der Zunft zu treffen. Kein Geringerer als Horst Janson stellte in der Filmgalerie „Eines Tages“ vor, einen Episodenfilm über Demenz – und die Liebe am Leben. 

Horst Janson spielt in „Eines Tages“ einen demenzkranken alten Herren (Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung)

Wenn wir an Horst Janson denken, dann haben wir ihn als starken Mann vor Augen: als „Der Bastian“ oder als Kapitän „Unter weißen Segeln“. Mittlerweile, kurz vor seinem 77. Geburtstag, wagt er sich an ganz andere Rollen: in „Eines Tages“ spielt Janson einen Demenzkranken, der von seiner Ehefrau gepflegt wird.

Der Film zeigt die bedrückende Einbahnstraße der Demenz – und die Abzweigungen ins kleine Glück – in drei Handlungssträngen: Zum ersten kämpft die biedere Tochter im Provinz-Reihenhaus mit Garten nicht nur mit der dementen Mutter, sondern auch mit ihrem vielbeschäftigten Bruder, der zunächst nicht wahrhaben will, dass das Gehirn seiner Mutter nicht mehr richtig funktioniert. Irgendwann aber lernt er: Zuhören, reden, mitspielen – das hilft allen Beteiligten. Zum zweiten kann der mitten im Leben stehende Architekt sein Leben nicht mehr ohne helfende Notizzettel organisieren, verlegt seine Brille im Kühlschrank, erzählt freudig die falschen und immer dieselben Geschichten und verpatzt Präsentationen. Er verscherzt es sich zunehmend mit seinem Umfeld – bis er endlich seiner Ehefrau die Löcher in seinem Kopf offenbart.

Kleine Freuden des Lebens

Und da ist zum dritten Horst Janson, der mit starrem Blick am Frühstücktisch sitzt, sich zwar noch an alte Trinksprüche erinnert, aber seine Frau nicht mehr erkennt. Das Ehepaar igelt sich zunächst in seiner Wohnung ein und entdeckt beim betreuten Urlaub in den Bergen die kleinen Freuden des Lebens wieder: ob es nun beim Wandern alleine, beim gemeinsamen Tanzen und Zähneputzen oder beim betreuten Papierblumen-Basteln ist. Geradezu rührend ist es zu sehen, wenn der verwirrte Alte seine Ehefrau als „junge Dame“ zum Tanz auffordert.

Schämt Euch nicht, denkt auch an Euch, habt Mut

Am Dienstag hat Horst Janson „Eines Tages“ gemeinsam mit seinem Schauspielkollegen Herbert Schäfer in der Filmgalerie Bad Füssing vorgestellt. So haben die Zuschauer erfahren, dass er Episodenfilm eigentlich nicht fürs Kino produziert wurde, sondern allein als Hilfe für Angehörige von Demenzkranken auf DVD erscheinen sollte. An manchen Stellen merkt man das. Auch wenn die Darsteller aufopferungsvoll spielen: die Dialoge sind etwas hölzern, die Botschaft (holt Euch Hilfe, schämt Euch nicht, denkt auch an Euch, lachen ist erlaubt, habt Mut) wird sehr offensichtlich übermittelt. Aber das lässt sich bei einem Kinofilm verschmerzen, der in der Produktion insgesamt nur 650.000 Euro gekostet hat – was die Hälfte dessen ist, was ein Tatort fürs Fernsehen kostet – und bei dem die Schauspieler auf einen großen Teil des Standardgehalts verzichtet haben.

Zu Besuch bei (v.l.) den Kinobetreibern Christian und Karin Mitzam in der Filmgalerie Bad Füssing waren Schauspieler Herbert Schäfer, die ehemalige Journalistin und Horst Jansons Ehefrau Hella und Horst Janson selbst.

Sehenswert ist „Eines Tages“ nicht nur für Angehörige von Demenzkranken. Denn es geht darin um so viel mehr: um Strukturen in Familien, um Unterstützung füreinander und um die Liebe zu seinen Angehörigen. „Denn all die im Film geschilderten Probleme lassen sich vor allem mit viel Liebe und Aufopferungsbereitschaft in den Familien lösen“, sagen Horst Janson und Herbert Schäfer. Ob man sich auf eine Rolle als Demenzkranker überhaupt vorbereiten kann, das ist Janson schon oft gefragt worden. Ja und nein – das ist seine Antwort. In einer Düsseldorfer Spezialklinik hat sich das Team auf die Arbeit am Film vorbereitet. „Doch alles, was wir dort gesehen haben, müssen wir selbst verarbeiten und aus dem Bauch heraus spielen“, erklärt Horst Janson und gibt zu: „Außerdem hilft natürlich das Drehbuch.“

In der Filmgalerie Bad Füssing ist „Eines Tages“ nochmals am Freitag, 5. Oktober, um 17 Uhr und am Samstag, 6. Oktober um 19 Uhr zu sehen. Kartenreservierungen unter 08531/29284. Eine DVD-Box mit dem Spielfilm sowie mit Informationsfilmen zur Information und für Angehörige ist im Handel erhältlich. Weitere Informationen unter www.einestages.lvr.de.

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