Im Gespräch mit: Marco Petry (PNP, September 2012)

Auf Filmmessen gehen lohnt sich: Kinobetreiber Christian Mitzam hat die gefühlvolle Komödie Heiter bis wolkig gesehen – und war davon so begeistert, dass er den Regisseur gleich in die Filmgalerie Bad Füssing eingeladen hat. Nun stellt Marco Petry am Montag, 10. September um 19.30 Uhr seinen Film über Lügen, Freundschaft, die große Liebe und den endgültigen Abschied vor. Ich durfte für die Passauer Neuen Presse mit ihm sprechen.

Regisseur Marco Petry – sein Film „Heiter bis wolkig“ läuft seit 6. September im Kino (Foto: Constantin Film).

Lieber Herr Petry, welche ist oder war Ihre beste Masche, um Frauen rumzukriegen?

Marco Petry: (lacht) Man hat ja früher viel Mist gemacht, aber auf jeden Fall nicht das, was die Jungs in meinem Film tun. Das hätte ich mich nicht getraut – abgesehen davon war ich auch immer recht ehrlich.

Ich habe das Gefühl, Sie werden gemeinsam mit Ihren Filmen erwachsen. Ist die Beobachtung richtig?

Petry: Auf eine Art ist das richtig: was meine Kinofilme angeht, so steigt das Alter der Protagonisten proportional zu meinem. Daraus möchte ich aber keine Regelmäßigkeit ableiten, schließlich könnte mein nächster Film auch von 17- oder 70-Jährigen handeln. Ich würde ich mich ja selbst einschränken, wenn ich mich gezielt nach Stoffen zu meinem jeweiligen Alter umschauen würde.

Ihre letzte Kino-Regie Die Klasse von ’99 lief bereits 2003 – läuft man da Gefahr, von Produzenten vergessen zu werden? Wie sind Sie an Ihr aktuelles Projekt gekommen?

Petry: Klar ist es so, dass man aus dem Fokus geraten kann. Aber zum Glück gibt es Einige, die sich dann doch an einen erinnern. Mit Axel Staeck, der das Drehbuch zu Heiter bis wolkig geschrieben hat, habe ich bereits 2008 bei der Fernsehproduktion Machen wir’s auf Finnisch zusammengearbeitet. Der hat mich bei den Produzenten empfohlen. Einer von ihnen ist Oliver Berben, und der hat sich daran erinnert, dass ich gerne Filme machen, die eine Mischung aus Witz und Melancholie transportieren. So bin ich zu Heiter bis wolkig gekommen.

Sie schwärmen, Heiter bis wolkig sei eine „großartige Geschichte“. Was macht sie so sicher, dass diese Geschichte auch beim Publikum ankommt?

Petry: Da vertraue meinem eigenen Gefühl. Was mich hoffnungsvoll macht: Der Film nimmt die Zuschauer mit auf eine emotionale Achterbahn. Man wird im positiven Sinn durchgeschüttelt, lebt den Film mit. Meine Hoffnung ist, dass die Besucher am Ende mit einem guten Gefühl aus dem Kino herauskommen, sich ein bisschen lebendiger fühlen als vorher – denn der Film macht bewusst, wie wertvoll das Leben ist.

Mit Constantin Film haben Sie eine große Produktionsfirma im Rücken. Erleichtert das die Arbeit oder spüren Sie den Erfolgsdruck?

Petry: Es ist in allen Belangen sehr hilfreich, wenn man ein großes Budget nutzen kann, Zeit hat und ein tolles Ensemble zusammen bekommt. Ich bin froh, dass wir einen Film mit einem so schweren Thema mit Constantin Film machen können. Denn man legt dort großen Wert darauf, dass die Komödie in Heiter bis wolkig gut herausgearbeitet wird – das vertrete ich auch selbst. An ein solches Thema muss man zuschauerfreundlich herangehen, weil man sonst extrem Gefahr läuft, zu schwer zu werden. „Pass auf, dass du die Komödie nicht verlierst“ – das hat mir der Produzent Oliver Berben mit auf den Weg gegeben.

Gearbeitet haben Sie mit drei Jungstars und dazu Jessica Schwarz, die bereits weit über diesen Status hinausgewachsen ist. Prallen bei einem solchen Dreh große Egos aufeinander, oder ist es gar eine große Party?

Petry: Für eine Party ist der Stoff – trotz des Komödiantischen – zu schwer. Gerade Jessica Schwarz ging die Rolle sehr nah, sie hat auch ordentlich dafür abnehmen müssen. Und über die Zusammenarbeit mit und zwischen den Schauspielern kann ich überhaupt nicht klagen; denn es sind alle daran interessiert, dass etwas Tolles bei diesem Film herauskommt.

Wie lange waren Sie mit dem Projekt beschäftigt, und wann ist es für Sie endgültig abgehakt?

Petry: Als Regisseur hat mich Heiter bis wolkig 16 Monate beschäftigt; vor zweieinhalb Jahren habe ich zudem noch an einzelnen Drehbuchfassungen mitgeschrieben. Mit dem Ende der Kinotour ist das Projekt dann zwar für mich abgeschlossen, aber gedanklich wird mich dieser Film noch lange beschäftigen – auch wenn ich bereits wieder an neuen Dingen arbeite.

Ich danke Ihnen für das interessante Gespräch.

Bizarre Situationen: Jessica Schwarz als Edda und Max Riemelt als Tim in „Heiter bis wolkig“ (Foto: Constantin Film).

Zu Film und Regisseur

Tim (Max Riemelt) und Can (Elyas M’Barek) sind beste Freunde – und haben bescheuerte Ideen: um Frauen rumzukriegen, geben sie sich als unheilbar krank aus. Das hat bisher immer super funktioniert. Bis sich Tim in Marie (Anna Fischer) verliebt. Denn Maries Schwester Edda (Jessica Schwarz) ist tatsächlich unheilbar krank. Tim bleibt nichts anderes übrig, als weiter den Kranken zu spielen – auch vor Edda. Die durchschaut schnell, dass Tim nur simuliert. Doch anstatt ihn auffliegen zu lassen, bietet sie ihm einen Deal an: Wenn sich Tim kooperativ zeigt, wird sie das Geheimnis für sich behalten und seiner Liebe zu Marie nicht im Weg stehen. Schnell findet sich Tim in den absurdesten und verrücktesten Situationen wieder.

„Heiter bis wolkig“ ist der dritte Kinofilm, bei dem Marco Petry Regie führt. Er wurde 1975 geboren und studierte ab 1996 an der Filmhochschule München Film- und Fernsehregie. Auf seinen Kurzfilm „Poppen“ (1998), für den Petry mit dem Starter Filmpreis der Stadt München ausgezeichnet wurde, folgte sein erster Kinofilm „Schule“ (2000), der Schauspieler wie Daniel Brühl, Jasmin Schwiers und Axel Stein bekannt machte. 2003 folgte „Die Klasse von ‘99“ mit Matthias Schweighöfer, danach führte er hauptsächlich fürs Fernsehen Regie. (seh)

Auf nach Bad Füssing: Marco Petry kommt am Montag, 10. September, um 19.30 Uhr in die Filmgalerie. Reservierungen unter Tel. 08531/29284.

Die Homepage zum Film

Eine Szene aus „Heiter bis wolkig“: Jessica Schwarz als Edda und Max Riemelt als Tim (Foto: Constantin Film).

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