Vaterfreuden (I): Das Schreikind

Was tun, wenn’s Kind unablässig schreit? Dieser Frage will ich in der ersten Folge meiner neuen Serie (mit einem Augenzwinkern) nachgehen. Denn warum nicht über das Schreiben, worum sich seit zwei Monaten mein Leben dreht? Klar ist: Was Eltern gegen das Schreien tun – gerade beim ersten Kind – kann seltsame Blüten treiben.

So kann es eben auch aussehen – das Bild stammt von einer der vielen Homepages, die sich dem Thema widmen: baby-schreien.com

Sind kleine Babys nicht unheimlich süß, weil sie so unschuldig auf unseren Schultern hängen, im Schlaf grunzen und so unschuldig lächeln? Natürlich. Aber sie können die Eltern auch an den Rand der Verzweiflung treiben. Unsere Tochter manchmal auch. Sie schreit – auch das tut jeder Säugling. In den höchsten Tönen, vermutlich bis zum hohen A und darüber hinaus – das schafft schon nicht jeder. Und sie schreit spontan, ausdauernd und laut, gerne mal eine Dreiviertelstunde ohne Pause und das mehrmals am Tag. Trotz ausreichender Mahlzeiten, trotz frischer Windel, trotz Körpernähe. Da meinte selbst die Kinderärztin, als sie Augen- und Ohrenzeugin wurde, das sei aber „sehr außergewöhnlich“.

25.000 Ergebnisse zum Schreikind

Keine Sorge: Unsere fällt eindeutig nicht darunter, und es wird von Tag zu Tag besser. Dennoch wollte ich einmal wissen, was ein „Schreikind“ ausmacht. Die Google-Suche lieferte mehr als 25.000 Ergebnisse zum Thema, darunter Seiten wie schreikind.com, Hunderte von Foren auf den einschlägigen Mutter-Kind-Seiten und Online-Ratgeber. Die Wikipedia-Seite zum Thema scheint mir ausführlicher als die zusammengefasste Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Letzten Endes habe ich mich für diese einfache Variante entschieden: Ein Schreikind ist ein Säugling, der an drei Tagen von drei aufeinanderfolgenden Wochen mindestens drei Stunden schreit.

Doch Schluss mit der Definition. Denn Eltern beschäftigt nur das Eine: Was hilft gegen die Schreierei? Ich rate dazu, die Frage anders zu stellen: Was lenkt das Baby am besten vom Unwohlsein ab? Die Suche nach einer Antwort kann wirklich abstruse Formen annehmen.

Ein verföhntes Baby

Unsere Tochter liebt zum Beispiel: den Fön. Einmal auf den Wickeltisch legen, warme Luft entgegen blasen – und schon entspannt sich das vom Heulen und Zähneklappern verspannte Gesicht, der Blick wird selig-apathisch und richtet sich zur Quelle von Lärm und Wärme. Für ein entspanntes Abendessen ohne Baby auf dem Arm hilft es also, den Fön bereit zu legen. Doch Vorsicht: Verföhnte Babys können die Folge sein!

Überhaupt lenkt jedes laute Geräusch ab. Staubsauger könnte auch gut klappen, aber ich will mein Kind will nicht hinter das Gebläse eines verkappten Müllschluckers legen. Viel besser: Das Radio laut aufdrehen und mit dem Kind auf dem Arm durch die Wohnung tänzeln. Klappt besonders gut zu Alpensound von LaBrassBanda oder Hubert von Goisern, bisher nur einmal zu Beethovens Mondscheinsonate, und selbst im normalen Dudelfunk findet sich auch so manches Brauchbare – wie das hier:

Was aber, wenn einmal kein elektrisches Gerät zur Verfügung steht, auf einem Spaziergang durch den Wald zum Beispiel? Vor ein paar Tagen hing unsere Kleine die ersten 45 Minuten ruhig in ihrem Tragetuch, dann aber: Dröhnen im Gedärm, verzogenes Gesicht, und los ging das Gebrüll. Wir versuchen den Fön durch angestrengtes Pusten zu ersetzen, bis uns schwindelig wird. Die Rettung kommt dann unverhofft: ein kleiner angelegter Wasserfall, das kühle Nass rauscht herab, die Kleine beruhigt sich und schläft nach wenigen Minuten ein.

Seit diesem Moment kann ich verstehen, warum sich viele Menschen Entspannungs-CDs mit Naturgeräuschen kaufen. Ein wahres Paradies für Babys Beruhigung (und wie ich erfahren habe: für viele chronisch Schlaflose) sind die einschlägigen Videoportale im Internet. Sieben Minuten Wasserfall in voller Lautstärke? Reichen zum kurzen Beruhigen. Eine halbe Stunde Wellengang an der Ostsee? Schon besser. Eine Stunde Bachrauschen in North Carolina? Tiefschlaf garantiert. Nicht zu toppen: Dieser unendliche Regen samt Gewitter.

Der digitale Wasserfall

Der Haken an der Sache: Wenn der Schlafcomputer die Regie übernimmt, verkommen die Eltern zum reinen Babyschaukler – und selbst dafür gibt’s schon mechanischen Ersatz. Selbst einschlafen ist dabei leider auch unmöglich… Und hier noch ein Stück, zu dem unsere Kleine besonders gut eingeschlafen ist. Funktioniert das auch bei Euch?

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