Tom Sawyer kommt doch aus Niederbayern

„Tom und Hacke“ ist eine (nieder)bayrische Version der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Eine Woche nach dem Kinostart kommt Regisseur Norbert Lechner mit einigen seiner jungen Darsteller aus der Region in die Filmgalerie Bad Füssing – am Freitag, 10. August, um 19 Uhr. Ich durfte mich mit ihm im Voraus für die Passauer Neue Presse unterhalten.

Tom und Hacke ist nicht nur ein spannender Krimi für junge Zuschauer. Der Film lebt auch von schönen Landschaftsaufnahmen,  der Atmosphäre der Drehorte – im Sommer 2011 hat Norbert Lechner mit seinem Team unter anderem in Passau, Braunau, Mühldorf, Augsburg und im Schwarzwald gedreht – der deftigen bayrischen Mundart sowie den Kulissen und Kostümen, die den ärmlichen Verhältnissen der Nachkriegszeit angepasst sind.

Regisseur Norbert Lechner – ich danke für das Foto.

„Tom und Hacke“ ist eine niederbayerische Version der Abenteuer von Tom Sawyer. Aber worum geht es wirklich?

Lechner: Es ist eine schöne, spannende Abenteuergeschichte. Es geht um Mut und Abenteuer, um Gut und Böse und natürlich um Freundschaft – also um alles, was Kinder und alle anderen bewegt.

Ihre Darsteller sprechen ein deftiges, charmantes Niederbayrisch. Wird der Film außerhalb von Bayern und Österreich gezeigt?

Lechner: Natürlich konzentrieren wir uns auf Bayern, zeigen den Film aber auch in ganz Süddeutschland und in einzelnen Kinos in Norddeutschland. Die Erfahrungen mit dem Bayrisch sind bisher positiv: im süddeutschen Raum wird es natürlich ausreichend verstanden, die Nordlichter orientieren sich an der Handlung. Neulich hat mir in Landshut ein Tourist aus dem Saarland begeistert erzählt, dass er alles verstanden hat.

Warum haben Sie die Handlung von Tom Sawyer ausgerechnet in die Nachkriegszeit verlegt?

Lechner: Darüber haben wir sehr viel nachgedacht. Wir hätten ja auch das Original am Mississippi drehen können – das aber sollen die Amerikaner oder Steven Spielberg machen. Was die Zeit der Handlung angeht: Die Gegenwart funktioniert nicht, denn die Kindheit ist heute ganz anders. Unbeaufsichtigt ohne Eltern herumtreiben, das gibt es doch kaum mehr. Wiedergefunden haben wir die amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts aber in der bayerischen Nachkriegszeit. Hier wie dort gab es zum Beispiel viele Waisenkinder und die Erwachsenen hatten kaum Zeit, sich um den Nachwuchs zu kümmern, weil sie mit dem reinen Kampf ums Überleben beschäftigt waren. All das hat uns bewogen, dies bei „Tom und Hacke“ auszuprobieren. Und nach den ersten Entwürfen für das Drehbuch haben wir gemerkt: das funktioniert.

Tom und Hacke auf der Suche nach Abenteuern – jetzt im Kino (Verleih: Zorro-Films).

Die Rollen der Kinder haben Sie ausschließlich mit Laiendarstellern besetzt. Wie sind sie an die gekommen, und woher kommen sie?

Lechner: Wir haben ein großes Casting in ganz Süddeutschland mit 2000 Kindern veranstaltet, Probeaufnahmen gemacht und die Begabtesten genommen. Dabei waren einige Kinder mit Film-Erfahrung, die uns aber nicht überzeugt hatten: sie waren einfach anders drauf, vom nicht vorhandenen Bayrisch bis zum Dünkel der Großstadt. Nun kommen alle unsere jungen Darsteller aus Niederbayern: zum Beispiel Benedikt Weber (Tom) aus Rotthalmünster und Xaver Maria Brenner (Hacke) aus Eggenfelden.

Wo im Verbreitungsgebiet der Passauer Neuen Presse haben sie im vergangenen Jahr gedreht?

Lechner: In Passau waren wir in der Pfaffengasse, im Amtsgericht und auf dem Gelände der Innstadtbrauerei. Dort zum Beispiel muss Tom Steine klopfen – das ist die Übersetzung der berühmten  Zaunstreich-Szene für unseren Film.

„Mark Twain wäre stolz gewesen“, sagt die Filmbewertungsstelle über „Tom und Hacke“. Letztendlich geht es aber auch bei Ihnen um die Zuschauerzahlen, oder nicht?

Lechner: Natürlich, das ist immer so. Von der Zahl der Besucher hängt letztendlich auch ab, wie man als Regisseur oder Produzent weiter arbeiten kann – denn alle Geldgeber schauen auf die Zahlen. Die sind lebenswichtig.

Eine Filmszene aus Tom und Hacke, gedreht in der Passauer Pfaffengasse: Vorne Hacke (Xaver Maria Brenner aus Eggenfelden), rechts Tom (Benedikt Weber aus Rotthalmünster) und links Biggi (Julia Forstner). Das Copyright für die Fotos liegt bei Zorro-Film.

ZUM FILM

In Tom und Hacke verwendet Regisseur Norbert Lechner Motive aus Die Abenteuer des Tom Sawyer von Mark Twain und überträgt sie in die niederbayerische Nachkriegszeit: Kriegswaise Tom Sojer (Benedikt Weber) wächst bei seiner Tante Polli (Franziska Weisz) auf. Die hält ihre Familie mit Näharbeiten über Wasser. Bei einem seiner Streiche beschädigt Tom diese Nähmaschine. Doch damit nicht genug: Er und sein bester Freund Hacke (Xaver Maria Brenner) beobachten, wie der Kleinganove Ami Joe (Fritz Karl) einen Mord begeht und der Altpapierhändler Muffler (Götz Burger) zu Unrecht beschuldigt wird. Nun wollen Tom und Hacke den wahren Täter überführen und zugleich Tante Polli mitsamt Familie aus der Patsche helfen.

IM KINO

„Tom und Hacke“ mit Regisseur Norbert Lechner und Jungdarstellern am Freitag, 10. August, um 19 Uhr in der Filmgalerie Bad Füssing. Kartenreservierung unter Telefon 08531/29284.

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