Aus meinem Archiv: Doppeldecker und dicke Wolken (SZ/BZ, Juli 2002)

Es ist tatsächlich schon zehn Jahre her: Am 8. Juli 2002 erschien in der Sindelfinger/Böblinger Zeitung mein erster Artikel als freischaffender Journalist. Während des Zivildienstes habe ich mir das erste Zeilengeld verdient – und das allererste gab es für die verspätete Antonov AN-2 beim Fest des Sportfliegerclubs Leonberg.

Die Antonov AN-2, der größte Passagier-Doppeldecker der Welt (Foto: Roeme/Wikimedia Commons).

Renningen-Malmsheim: Sportfliegerclub feiert sein Sommerfest / Antonov kam mit Verspätung

Obwohl Petrus dem Fest des Sportfliegerclubs Leonberg nicht sonderlich wohl gesonnen war, kamen Tausende Besucher auf das Malmsheimer Segelfluggelände. Die Hauptattraktion am Wochenende war die Antonov AN-2, der größte Doppeldecker der Welt.

Es ist kaum zu glauben, dass diese Maschine mit einem Gewicht von über fünf Tonnen und einer Spannweite von 18 Metern eine Start- und Landestrecke von nur 150 Metern Länge benötigt. Von Tausenden hungrigen Augenpaaren lange ersehnt, landet sie auf dem Malmsheimer Segelfluggelände. Die Antonov AN-2, der größte Doppeldecker der Welt, war der Publikumsrenner beim Sommerfest des Sportfliederclubs Leonberg. Die Rundflüge mit diesem äußerst zuverlässigen Flugzeug in Richtung Stuttgart oder den Schwarzwald waren schnell ausgebucht.

Leider erschien die Antonov erst am späten Samstagnachmittag im Malmsheim. Das schlechte Wetter hatte einen pünktlichen Start am Heimatflughafen Mengen unmöglich gemacht, auch viele andere der rund 40 Segelflugzeuge und Doppeldecker konnten nur verspätet das Segelfluggelände ansteuern. „Das bedeutet leider Einnahmeausfälle für uns, weil einige der geplanten Rundflüge ausfallen“, sagt Holger Leicht, Pressesprecher des Sportfliegerclubs Leonberg, und fügt hinzu: „Trotzdem hoffen wir, mit unseren anderen Attraktionen noch viele Besucher anlocken zu können. Von Hubschrauberflügen bis zum Kinderkarussell oder zum Fallschirmsprung, es ist für Jeden etwas dabei.“

Attraktion für Familien

Deshalb war es auch kaum verwunderlich, dass sich unter den rund 15.000 Gästen hauptsächlich Familien tummelten: Sie waren vom schlechten Wetter und Verspätungen weitgehend unbeeindruckt. „Schließlich ist alles umsonst, da können sich die Leute doch freuen“, mein ein weiteres Mitglied des Sportfliegerclubs.

Gratis waren auch die vielen Darbietungen, die den Besuchern von den Veranstaltern geboten wurden. Besonders der Staffelflug der Doppeldecker fand regen Anklang. Dazu Holger Leicht: „Früher konnten wir den Zuschauen noch Kunstflugeinlagen mit unseren Flugzeugen bieten, doch das wurde uns von der Bundeswehr, die im Besitz des Segelfluggeländes ist, leider untersagt. Deshalb konzentrieren wir uns in diesem Jahr auf die Doppeldecker, mit denen wir den Großteil unseres Programm bestreiten.“

Modelle mit Salti und Loopings

Auch vom Modellkunstflug waren viele Besucher beeindruckt. Ein normaler Pilot wäre längst ohnmächtig, schlüge er mit seinem Flugzeug so viele Salti, Loopings und Schrauben wie Modellflieger Jürgen Krater mit seinem Zwei-Meter-Flieger. Und auch die Mutigen, die trotz schlechten Wetters einen Rundflug wagten und sich einen Platz in einem Flugzeug ergatterten, kamen voll auf ihre Kosten. „Super“ und „beeindruckend“ waren da noch die am wenig euphorischsten Kommentare.

Besucher, die sich für Flugzeugtechnik interessierten, erfuhren am Samstag und Sonntag in Malmsheim ebenfalls viel. Die Piloten der diversen Flugzeuge und Helikopter sowie die Fahrer der Heißluftballone standen bereitwillig Rede und Antwort. So erklärte man beispielsweise dem interessierten Laien, dass Ballone meist morgen und abends durch die Luft fahren, weil zu dieser Zeit die Thermik am niedrigsten ist. Wen wundert es also, dass viele Gäste ob dieses Fachwissens und dieser Besuchernähe nächstes Jahr „bestimmt wiederkommen werden“.

Advertisements