Im Kino: Die Farbe des Ozeans

Auf der Insel der (enttäuschten) Hoffnung – so habe ich meinen Artikel für die Passauer Neue Presse über das Flüchtlingsdrama „Die Farbe des Ozeans“ genannt. Verstörende Bilder, emotionale Schauspieler, spannende Erzählweise – der Film lohnt sich. Wer weiter klickt, bekommt meine Eindrücke von der Vorführung in der Filmgalerie Bad Füssing und die weiteren Termine für den Kurort und Passau.

Nathalie (Sabine Timoteo) und Jose (Alex Gonzales) auf der Fahrt ins Krankenhaus (Foto: Movienet Film)

Das Drama „Die Farbe des Ozeans“ lebt von verstörenden Bildern, emotionalen Schauspielern und seiner Erzählweise: Drei Paare erleben die Problematik afrikanischer Bootsflüchtlinge auf ihre ganz eigene Weise. In der Filmgalerie Bad Füssing stand Produzent Thomas Klimmer den Zuschauern Rede und Antwort.

Die Story

„Die Farbe des Ozeans“ ist ein international besetztes Flüchtlingsdrama, in dem die Schicksale dreier Paare miteinander verwoben werden. Im Urlaub wird Nathalie (Sabine Timoteo) Zeugin, wie ein Boot mit senegalesischen Flüchtlingen am Strand anlandet. Mit Zola (Hubert Koundé) und dessen Sohn Mamadou (Dami Adeeri) nimmt sie kurz Kontakt auf, bevor die von dem unbarmherzigen Polizisten José (Alex Gonzalez) festgenommen und in ein Internierungslager gebracht werden. Doch sie können fliehen – und ein Schlepper bietet an, sie für 1000 Euro auf das spanische Festland zu bringen. In seiner Verzweiflung wendet sich Zola an Nathalie. Doch ungewollt beschwört ihre Hilfe eine Katastrophe herauf.

Ganz subjektiv erzählt

Der Film bietet keine Erklärung der komplexen Flüchtlingsproblematik, der politischen und wirtschaftlichen Hintergründe in Afrika und Europa. Stattdessen wird eine Geschichte aus der Sicht von drei Paaren erzählt, die aus ihren Schablonen kaum herauskommen: Flüchtlingsvater und Sohn landen auf Gran Canaria und kämpfen um ihr Leben. Der spanische Polizist ist gefangen zwischen Pflichtbewusstsein und der Sorge um seine drogenabhängige Schwester. Die Touristen finden keine Ruhe: er kann sich nicht vom Arbeitsstress lösen, sie sorgt sich um die gestrandeten Flüchtlinge. Jede Figur lebt in ihrem ganz eigenen Universum, und der Zuschauer kann alle Sichtweisen verstehen.

Zola (Hubert Koundé) und sein Sohn Mamadou (Dami Adeeri) bei der Landung am Strand (Foto: Movienet Film)

Ganz nah dran

Regisseurin Maggie Peren erzählt ihre Geschichte mit eindrucksvollen und verstörenden Bildern. Zwischen den an den Strand gespülten Leichen der afrikanischen Flüchtlinge spaziert die attraktive Touristin im knappen Bikini. Das Ferienparadies Gran Canaria ist nichts als eine heruntergekommene, wüstenähnliche Einöde. Drogen werden gespritzt (oder auch nicht), Gläser zerdeppert, Kinder in Spinde gesperrt, Tote bestohlen – und die Kamera ist immer ganz nah dabei. Das ist Kino im Nahformat.

Originalton (un)erwünscht

Den einzigen Vorwurf, den man der Regisseurin machen kann: Sie hat sich dem Diktat des Filmverleihs beugen müssen und die spanischen Darsteller synchronisiert. Der unbarmherzige Polizist José ist wie ein Vulkan, der ständig auszubrechen droht. Sein leidenschaftliches Spiel leidet unter der manchmal schwerfälligen deutschen Übersetzung. Die Flüchtlinge dagegen hoffen, bangen und betteln dagegen auf Französisch mit Untertiteln – und der Zuschauer kann sich viel besser in sie hineinversetzen. Wer also diesen starken Film also im Original mit Untertiteln sehen kann, sollte diese Chance nutzen.

Kinobetreiber Christian und Karin Mitzam sowie der Produzent von „Die Farbe des Ozeans“, Thomas Klimmer (Foto: Filmgalerie Bad Füssing).

Diskussion mit dem Produzenten

Gut 60 Zuschauer waren am Donnerstagabend in die Filmgalerie Bad Füssing gekommen, um sich „Die Farbe des Ozeans“ anzusehen und mit Regisseurin Maggie Peren zu sprechen. Die musste, weil ihr kleiner Sohn krank wurde, zwar absagen, sorgte aber für kompetenten Ersatz: Produzent Thomas Klimmer stand Rede und Antwort. Zum Beispiel läuft der Film, der auf Gran Canaria spielt, in Spanien (noch) nicht in den Kinos. Denn in der Wirtschaftskrise liegt die ganze Filmindustrie brach – und das Thema Flüchtlinge ist dort wenig erwünscht. Die Brennpunkte haben sich mittlerweile auch nach Italien und vor allem auf die Insel Lampedusa verlagert. Im Jahr 2007 aber strandeten noch 30.000 afrikanische Flüchtlinge auf Gran Canaria, also fast 1000 am Tag. Fasziniert hörte der Produzent aber auch Gästen in der Filmgalerie zu, die erzählten, wie sie im Urlaub auf Gran Canaria die Landung von Flüchtlingsbooten erlebt hatten.

Hier läuft der Film über Pfingsten

In der Filmgalerie Bad Füssing läuft „Die Farbe des Ozeans“ am Samstag um 21.15 Uhr, am Pfingstsonntag um 17.15 Uhr, am Pfingstmontag um 16.30 Uhr, Dienstag um 19.30 Uhr – und am nächsten Wochenende: Freitag, 1.6., 21.15 Uhr; Samstag, 2.6. um 19 Uhr und Sonntag, 3.6. um 15 Uhr. Im Passauer Scharfrichterkino läuft der Film am Pfingstsamstag und Pfingstmontag um 19 Uhr, am Pfingstsonntag um 23 Uhr. „Die Farbe des Ozeans“ ist Film des Monats auf www.kinofenster.de, dem Onlineportal für Filmbildung.

Hier geht’s zur Homepage des Films

Filmtipp: Die Farbe des Ozeans – KINOKINO – BR

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