Im Gespräch mit: Maggie Peren

Maggie Peren (Foto: Movienet)

Als freischaffender Journalist bin ich derzeit ziemlich wenig unterwegs. Wenn, dann sind es aber besondere Herzensangelegenheiten. Wie diese hier: Regisseurin Maggie Peren kommt am Donnerstag, 24. Mai, um 19.30 Uhr in die Filmgalerie Bad Füssing. Und ich hatte die große Freude, mit ihr über ihren neuen Film „Die Farbe des Ozeans“ zu sprechen. Das Gespräch gibt es in der Passauer Neuen Presse zu lesen – und natürlich auch hier.

„Die Farbe des Ozeans“ ist ein international besetztes Flüchtlingsdrama (Kinostart: 17. Mai 2012), in dem die Schicksale dreier Paare miteinander verwoben werden. Im Urlaub wird Nathalie (Sabine Timoteo) Zeugin, wie ein Boot mit senegalesischen Flüchtlingen am Strand anlandet. Mit Zola (Hubert Koundé) und dessen Sohn Mamadou (Dami Adeeri) nimmt sie kurz Kontakt auf, bevor die von dem unbarmherzigen Polizisten José (Alex Gonzalez) festgenommen und in ein Internierungslager gebracht werden. Doch sie können fliehen – und ein Schlepper bietet an, sie für 1000 Euro auf das spanische Festland zu bringen. In seiner Verzweiflung wendet sich Zola an Nathalie. Doch ungewollt beschwört ihre Hilfe eine Katastrophe herauf…

Regisseurin Maggie Peren, 1974 in Heidelberg geboren, ist auch eine preisgekrönte Drehbuchautorin und Schauspielerin. Unter anderem war sie an Produktionen wie „Vergiss Amerika“, „Das Phantom“ und der „Mädchen Mädchen“-Reihe beteiligt. Für ihr Drehbuch zu „Kiss and Run“ erhielt Sie den Grimme-Preis, für das zu „Napola – Elite für den Führer“ den deutschen Filmpreis. Als Regisseurin drehte sie den Kurzfilm „Hypochonder“ (2004), ihr Kinodebüt „Stellungswechsel“ war 2007 einer der erfolgreichsten deutschen Kinofilme. Maggie Peren lebt und arbeitet in München.

Frau Peren, Sie sind Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin, für Komödien, Jugendfilme und Dramen. Ist Ihre Vielseitigkeit ein Vor- oder ein Nachteil?

Breit aufgestellt zu sein ist generell gut. Sonst könnte ich es mir auch nicht leisten, in München zu leben, sondern müsste im Zelt hausen. Die Finanzierung des aktuellen Projekts hat aber unter anderem deshalb etwas länger gedauert, weil ich vorher fünf Jahre lang nicht an einem Drama beteiligt war, sondern an Kinder- und Jugendfilmen wie „Freche Mädchen“ oder „Hände weg von Mississippi“.

Vor der Kamera stehen Sie mittlerweile nicht mehr. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?

Die Frage ist doch, wo man sich wohler fühlt. Die Arbeit am Set oder die Kommunikation mit allen Beteiligten mögen andere als stressig empfinden – ich bin hinter der Kamera sehr zufrieden. Mir ist es am liebsten, Bücher zu inszenieren, die andere geschrieben haben, oder als Autorin mit anderen Regisseuren an einem Film zu arbeiten. Ich gebe meine Drehbücher gerne aus der Hand.

Nach der Regie in „Stellungswechsel“ und dem Buch zu „Freche Mädchen 2“ folgt nun „Die Farbe des Ozeans“, ein Drama über afrikanische Bootsflüchtlinge. Wie kamen Sie zu dem Thema?

Ich habe den Dokumentarfilm „We feed the World“ gesehen. Dort wird erklärt, dass wir mit unseren hoch subventionierten Lebensmitteln die Märkte in Westafrika zerstören. Dort gibt es zwar Fleisch aus Bayern, aber kaum regionale Lebensmittel. Im Gegenzug lehnen wir die Flüchtlinge von dort ab, weil wir meinen, dass sie uns das Brot vom Teller essen. Da stimmt doch etwas nicht. Also habe ich mich in das Thema eingearbeitet – bis ich so viel zusammenhatte, um einen Film daraus zu machen.

Stimmt es, dass Ihr Projekt eigentlich „sourire“ heißen sollte und dass sie tatsächlich 18 Drehbuchfassungen dafür geschrieben haben?

Sechs bis sieben Fassungen bis zum endgültigen Buch – das ist ganz normal. Anfangs war die Hauptdarstellerin meiner Geschichte, die ja auf Gran Canaria spielt, noch eine Französin. So hätte alles in den Sprachen spanisch und französisch stattfinden können. Aus dieser Phase stammt auch die Idee zu „sourire“, was auf Französisch lächeln heißt und wörtlich „unter dem Lachen“ bedeutet. Dann hat sich die Figur dieser französischen Journalistin aber verselbständigt: sie ist zu neunmalklug geworden, und niemand wird im Kino gerne belehrt. Also habe ich eine andere Spur verfolgt, das deutsche Touristenpaar eingebaut. Eigentlich habe ich acht bis neun Fassungen für zwei verschiedene Filme geschrieben.

Die Zuschauer sehen „Die Farbe des Ozeans“ aus Perspektive der europäischen Touristen, der spanischen Polizisten und der Flüchtlinge. Warum?

Ich wollte dieses komplexe Thema als Spielfilm, als Parabel umsetzen und nicht als Dokumentation, wie es sich bestimmt am besten angeboten hätte. Denn jeder Mensch ist ein eigenes Universum. Jeder ist nicht nur gut oder nur schlecht. Jeder Mensch steckt in seinem eigenen Ballon. Ich kann den Polizisten nicht zeigen, ohne dass ich weiß, wie er zuhause lebt. Ich kann die Reaktion der Touristin Nathalie nicht zeigen, ohne zu wissen, wie es in ihrer Beziehung läuft. Einfach nachzuerzählen, wie sich ein afrikanischer Flüchtling fühlt, wäre zu schwierig gewesen. Da kenne ich mich zu wenig aus.

Der Dreh auf Gran Canaria war alles andere als einfach…

Der Dreh an sich war eigentlich sehr nett. Die Insel hat eine rechtskonservative Regierung. Einen kritischen Film wie unseren hätten wir dort nicht drehen dürfen. Also haben wir gelogen, uns für einen Dokumentarfilm angemeldet und zu dritt am Strand ein paar Szenen gedreht, wie eine kleine Guerilla-Truppe. Der Rest ist dann auf dem spanischen Festland bei Alicante entstanden.

Wie sind die Szenen aus dem Flüchtlingslager entstanden? Woher wussten Sie, wie es dort zugeht?

Gewusst habe ich es gar nicht. Man kann alles recherchieren, nur nicht wie es in den Lagern aussieht. Niemand darf hinein. Also habe ich Flüchtlinge selbst gefragt und daraus ein Suchbild erstellt, wie die Polizei.

Sie haben für „Die Farbe des Ozeans“ bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, der Film trägt das Prädikat „besonders wertvoll“, es gibt Interpretationshilfen und Unterrichtsmaterial für Schulen. Bleibt die entscheidende Frage aber nicht, ob man die Menschen mit so einem Stoff ins Kino locken kann?

Viele politische Filme werden gedreht wie ein Dokumentarfilm. Dem habe ich versucht entgegenzuwirken. Wir haben auf Film gedreht, sind in die geschundene, lebensfeindliche Welt Gran Canarias eingetaucht. Wer die Optik und die Handlung des Globalisierungs-Dramas „Babel“ mochte, der wird sich auch diesen Film gerne anschauen. Und viele andere hoffentlich auch.

Liebe Maggie Peren, vielen Dank für das Gespräch.

INFO

Maggie Peren ist am Donnerstag, 24. Mai, um 19.30 Uhr zu Gast in der Filmgalerie Bad Füssing. Reservierungen unter Tel. 08531/29284. Ihr Film „Die Farbe des Ozeans“ (Kinostart: 17. Mai 2012) ist der Film des Monats auf www.kinofenster.de, dem Onlineportal für Filmbildung. Zur Homepage des Films geht es hier.

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