Eine Reise zum Ursprung des modernen Yoga (PNP vom 26.1.2012)

Montag, 30. Januar, um 19.30 Uhr in der Filmgalerie Bad Füssing: Yoga auf der Leinwand. Die Dokumentation „Der atmende Gott“ mit Erklärungen vom Ausbilder Albert Dennenwaldt.

Krishnamacharya. Geboren um 1890 in Muchukunte/Südindien, gestorben 1989. Er gründet die „Yogashala“, die einflussreichste Yogaschule der Welt. © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K./ Jan Schmidt-Garre

„Diejenigen von Ihnen, die es sich leisten können, sollten ein Zimmer nur für dieses Üben haben, aber schlafen Sie nicht in diesem Zimmer; es muss heiliggehalten werden. Sie dürfen das Zimmer nicht betreten, bevor Sie nicht gebadet haben und rein an Körper und Geist sind. Stellen Sie stets Blumen in dies Zimmer. Schmücken Sie es auch mit angenehmen Bildern, und entzünden Sie morgens und abends Räucherwerk darin. Vermeiden Sie Streit, Ärger oder unheilige Gedanken in dem Zimmer und lassen Sie nur Gleichgesinnte es betreten. Dann wird sich allmählich eine Atmosphäre der Sammlung darin bilden, so dass, wenn Sie unglücklich, voller Sorgen und Zweifel, oder aus dem Gleichgewicht geraten sind, das bloße Betreten dieses Raumes Sie beruhigen wird.“ Diese Anleitung zum Raja-Yoga aus dem Jahr 1895 zeigt: Yoga ist mehr als nur indische Gymnastik. Aber was ist es denn wirklich: Ein urtümlicher Ritus? Eine Art Religion? Was macht man dabei eigentlich? Wie ist Yoga entstanden?

Die Dokumentation „Der Atmende Gott“ zeigt erstmals die maßgeblichen Erfinder des modernen Yoga vor einer Kamera vereint: Historische Aufnahmen des Urvaters Krishnamacharya, Interviews seiner Meisterschüler wie Pattabhi Jois und ungewöhnliche Lehrstunden mit dem legendären Iyengar. Die Reise zum Ursprung des modernen Yoga ist eine Lehrfahrt zu verschiedenen Meistern der indischen Disziplin, die vor einem Mini-Tempel für Eingeweihte endet. Darin: das Götterbild Narasimhas – der atmende Gott.

Dieser Film also ist etwas ganz Besonderes. Da braucht es jemanden, der aufklärt und erklärt. Deshalb kommt am kommenden Montag um 19.30 Uhr Yogalehrer Albert Dennenwaldt in die Filmgalerie Bad Füssing. Er ist Leiter der Ausbildungsschule Hridaya München und Leiter des Forums für Business Yoga. Der Passauer Neuen Presse stand er Rede und Antwort.

Sribhashyam (Krishnamacharyas Sohn) mit Kind © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K./ Jan Schmidt-Garre

Herr Dennenwaldt, wer oder was ist ein Atmender Gott?

Dennenwaldt: Da habe ich mich auch erst informieren müssen. Auf dem Plakat zum Film sieht man einen Gott in Meditationshaltung. Seine Atmung führt ins Innere. Frei übersetzt bedeutet das für mich: Die Weisheit des Atmens steckt in jedem von uns. Wenn ich aufhöre zu atmen, existiere ich selbst nicht mehr. Über den Atem finden wir zur Ruhe, zu einem klaren Geist, zur Gelassenheit. Aber ob das der Regisseur so sagen wollte, weiß ich selber nicht (lacht).

Kann man in einem Film tatsächlich die Gefühle einfangen, die hinter Yoga stecken?

Dennenwaldt: Das ist ja nicht das Ziel von „Der Atmende Gott“. Hier geht es um die Frage, wie sich das im Westen populäre Yoga entwickelt hat. Erzählt wird die Geschichte von Krishnamacharya, der 102 Jahre alt wurde und verschiedenste Schüler hatte. Der legendäre Iyengar zum Beispiel lernte bei Krishnamacharya, als dieser erst 35 Jahre alt war, also wurde ihm ein anderes Gespür für den Körper vermittelt als den späteren Schülern. Jeder ist also mit einem anderen Wissensstand herausgegangen und hat eine verschiedene Lehre vom Yoga begründet.

Wie sind Sie selbst zum Yoga gekommen?

Dennenwaldt: So wie die meisten. Ich hatte körperliche Beschwerden, Kopfschmerzen, Migräne. Meine Lehrer stammten direkt aus der Tradition des Krishnamacharya und sie haben mir eines vermittelt: Yoga ist nicht einfach Entspannungs-Gymnastik, sondern extreme Konzentration. Es ist eine Philosophie, und das Prinzip ist ähnlich wie bei Steiner und den Anthroposophen: die Freiheit existiert nur im Geist.

Was fühlen Sie, wenn Sie die Lehrmeister des Yoga in „Der Atmende Gott“ sehen?

Dennenwaldt: Ich denke nicht sehr indisch und brauche keinen persönlichen Guru. Also sehe ich die Lehrmeister mit großem Interesse, aber ohne in Ehrfurcht zu erstarren. Der Film berührt mich eher, weil ich an vielen der Drehorte selbst gewesen bin. Und es gibt keine langatmigen Stellen, man sieht, wie ein sehr körperliches Yoga praktiziert wird mit Übungen, die bei uns an Akrobatik grenzen. Aber man sieht auch – und das wird die meisten verwundern – wie die Lehrer mit ihren Schülern umgehen. Es kommt schon mal vor, dass da geschlagen wird, und trotzdem ist es eine Beziehung der tiefen Zuneigung und der Liebe.

Was können Krishnamacharya, Iyengar und Pattabhi Jois den Leuten vermitteln, die nichts mit Yoga zu tun haben?

Dennenwaldt: In all den Hochglanzmagazinen wird Yoga immer mit jünger, straffer, schöner gleichgesetzt. Aber das ist nicht seine Qualität. Es geht vielmehr um Disziplin. Da das Wort bei uns sehr negativ besetzt ist, muss man es übersetzen: Liebevolles Bemühen um sich selbst; an sich selbst arbeiten; seines Glückes Schmied sein; auch loslassen können, gerade im Alter. So unbequem es manchmal ist: Wir sind selbst dafür verantwortlich, wie wir mit den Dingen umgehen.

INFO: „Der atmende Gott“ läuft dreimal in der Filmgalerie Bad Füssing: Samstag, 28. Januar, um 15 Uhr, Montag, 30. Januar, um 19.30 Uhr (mit Albert Dennenwaldt) und Mittwoch, 1. Februar, um 19.30 Uhr. Reservierungen unter Telefon 08531 – 29284.

Shubha, eine der Töchter von Kirshnamacharya © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K./ Jan Schmidt-Garre

 

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