Das ist wirklich eine ganz heiße Nummer (PNP vom 15./24. Oktober 2011)

„Eine ganz heiße Nummer“ ist eine wirklich gelungene Bayerwald-Komödie über drei Frauen, die aus lauter Geldnot eine Telefonsex-Hotline gründen. Ich hatte die große Freude, erstens die Vorpremiere in der Filmgalerie Bad Füssing zu besuchen und zweitens zur Ankündigung ein Interview mit Schauspielerin Bettina Mittendorfer führen zu können. Das Ergebnis könnt Ihr hier lesen.

Viel zu lachen hatten beim bayerischen Abend und einer ganz heißen Nummer in der Filmgalerie Bad Füssing: (v.l.) Kinobetreiber Christian und Karin Mitzam, Hauptdarstellerin und gebürtige Griesbacherin Bettina Mittendorfer, der Griesbacher Bürgermeister Jürgen Fundke und Regisseur Markus Goller. (Foto: Haas)

Begeistert von Telefonsex und Nachdenklichkeit. Premieren-Publikum feiert „Eine ganz heiße Nummer“

Bad Füssing. Ein wenig abgehetzt wirkten sie schon, die Schauspielerin Bettina Mittendorfer und Regisseur Markus Goller, als sie am Freitag in der Filmgalerie „Eine ganz heiße Nummer“ vorstellten. Aber wer will es ihnen verdenken? Das Team der bayerischen Komödie dieses Herbstes befindet sich gerade auf Promo-Tour und feiert eine Vorpremiere nach der anderen.

Am Freitagabend ging es von Bad Füssing direkt weiter nach Simbach, tags zuvor standen vier Vorpremieren auf dem Programm. Dennoch: Für Bettina Mittendorfer, geboren in Bad Griesbach, war dieser Auftritt in der Heimat etwas ganz besonderes. Der größte Saal der Filmgalerie war gerade groß genug, um für Fans, Freunde und Verwandte Platz zu fassen, selbst Klappstühle wurden aufgestellt. „Wir hätten das Kino zwei Mal füllen können“, meinte Filmgalerie-Betreiber Christian Mitzam.

Der Film selbst ist uneingeschränkt zu empfehlen. Drei Frauen im Bayerischen Wald bewerben „Das Allerbeste aus unserer Heimat“. Doch ihr Geschäft hat nichts mit Milch, Holz oder Honig zu tun. Wer die Telefonnummer wählt, spricht mit „Maja, wie die Biene, nur viel heißer“ oder ihren Kolleginnen Lady Sarah und Lolita. Und das alles nur, weil die Bank den Kredit für den letzten kleinen Laden im Ort nicht verlängert hat und auf Teufel komm raus Geld in die Kasse muss.

Am Anfang sind die drei noch ziemlich hilflos, wie folgendes Gespräch zeigt: „Ja, wos sogt ma dann?“ – „Wos ma hoid so sogt.“ – „Ja wos?“ – „Naja.“ – „Wenn oana befriedigt werden mog und von soim Ständer redt…“ – „Ah, leckt’s mi doch am Arsch!“ Der Dialog mit dem Publikum läuft da viel besser: Vor allem die Damen im Saal warfen sich vor Lachen regelmäßig aus den Sitzen, Teile der Dialoge gingen im Gelächter völlig unter.

Doch ist „Eine ganz heiße Nummer“ viel mehr als eine Komödie, die rein auf Slapstick setzt. Selten hat man in einer solch abstrusen Geschichte so viele Tränen fließen sehen. Es geht um drei Frauen, die ihren Weg finden, sich beweisen müssen. Sie sind von Selbstzweifeln und Sehnsüchten geplagt. Wenn Gisela Schneeberger alias Waltraud alias Lady Sarah fragt: „Was ist denn schlimmer: Allein allein oder zu zweit allein?“ – dann wird es ganz still im Kinosaal. Die Botschaft dieser nachdenklichen Bayerwald-Komödie spricht der Jungbauer auf seinem Traktor: „Das Wichtigste ist, dass die Seele gesund bleibt.“ Allein für diese Weisheit lohnt sich der Eintritt ins Kino, für die schauspielerische Leistung der Darsteller und die Herzlichkeit dieses Films sowieso – und, ganz ehrlich: für den Telefonsex erst recht.

Eine ganz heiße Nummer für Bad Füssing

Bad Füssing. Drei Frauen im Bayerischen Wald bewerben „Das Allerbeste aus unserer Heimat“. Doch ihr Geschäft hat nichts mit Milch, Holz oder Honig zu tun. Wer die Telefonnummer wählt, spricht mit „Maja, wie die Biene, nur viel heißer“ oder ihren Kolleginnen Lady Sarah und Lolita. Und das alles nur, weil die Bank den Kredit für den letzten kleinen Laden im Ort nicht verlängert hat und auf Teufel komm raus Geld in die Kasse muss.

Über die neue Komödie Eine ganz heiße Nummer von Regisseur Markus Goller und Autorin Andrea Sixt sprechen wir mit der Schauspielerin Bettina Mittendorfer. Sie wird am Freitag, 21. Oktober, um 19.30 Uhr gemeinsam mit dem Regisseur in der Filmgalerie Bad Füssing zu Gast sein.

Gedreht wurde „Eine ganz heiße Nummer“ in Gotteszell im Bayerischen Wald. Hat man die Gotteszeller und die Region in die Produktion einbezogen?

Mittendorfer: Regisseur Markus Goller meinte, es sei ein wunderbarer Drehort für diesen Film, und er hatte Recht. Die Landschaft ist wunderschön, aber man spürt die Wirtschaftskrise, es gibt keine Lebensmittelläden mehr in den Orten – das ist die Parallele zum Film. Wir hatten tatsächlich ein paar Szenen, an denen viele Komparsen aus der Region beteiligt waren. Aber ob sie wirklich wussten, in was für einem Film sie da vorkommen, bin ich mir aber nicht sicher (lacht).

Wie war die Zusammenarbeit mit Markus Goller? Den haben wir als einen Regisseur kennengelernt, der Wert auf authentische Charaktere legt. Klingt ziemlich anstrengend…

Mittendorfer: Ist es aber überhaupt nicht. Denn gleichzeitig arbeitet er sehr einfühlsam. Er spricht und probt viel mit seinen Schauspielern. Und er hat uns immer wieder klar gemacht: „In diesem Film geht es um die Liebe. Macht Euch einfach eine gute Zeit.“ Und so haben wir es dann gemacht, alle zusammen, voller Begeisterung.

Mit Ihnen spielen viele alte Bekannte: Die Kabarettisten Monika Gruber und Sigi Zimmerschied, dazu Gisela Schneeberger oder Rosalie Thomass. Muss man sich die Dreharbeiten wie ein Klassentreffen vorstellen?

Mittendorfer: Nein, schließlich kannte ich auch nicht jeden persönlich und wir kommen ja alle aus ganz anderen Ecken unseres Berufs. Außerdem sitzt man nicht wochenlang in einer Gruppe von zwanzig Personen aufeinander. Ich habe einmal eine Woche gedreht und hatte immer wieder neue Partner: die Filmtochter, den Filmvater, einen Heilpraktiker – und auf jeden musste ich mich neu einstellen. Das ist das Schöne, das Intensive: Man steht zu zweit vor der Kamera, in kleinen Szenen, agiert sensibel und offen, führt Gespräche, schaut dem anderen zu.

In „Eine ganz heiße Nummer“ betreiben drei Mitglieder des Katholischen Frauenbundes eine Telefonsex-Hotline. Wie würden Sie reagieren, wenn das in Ihrem Dorf passiert?

Mittendorfer: Reagieren? Gar nicht. Das geht mich doch nichts an, was die anderen tun, um Geld zu verdienen.

Sigi Zimmerschied soll auf die Frage, wie er reagieren würde, wenn seine Frau bei einer solchen Hotline anheuert, geantwortet haben: „Ich würd’s mit ihr einstudieren.“ Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet? Wie probt man Telefonsex?

Mittendorfer: Das größte Problem ist: Man hat keinen Text, den man aufsagt. Man muss eben Stöhnen wie man auch sonst stöhnt (lacht). Aber im Ernst: Man übt, wie man sonst auch übt, zuerst für sich allein. Dann habe ich das Ganze aufgenommen, es angehört und überlegt: Klingt das zu derb? Stößt das ab? Klingt es zu professionell? Ich musste schließlich die richtige Mischung aus Schüchternheit, Aufregung und Wolllust finden. Dann habe ich mich mit Markus Goller besprochen und mit ihm gemeinsam geübt, bis er gesagt hat: „So passt es.“ Ohne diese Sicherheit hätte ich mich beim Dreh geschämt und mich gefragt, warum die anderen lachen oder nicht.

Wer Sie aus Film und Fernsehen kennt, weiß nicht: Sie sind eine gefragte Theaterschauspielerin. Finden Sie es schade, dass die Bretter, die die Welt bedeuten, so im Schatten der Flimmerkiste stehen?

Mittendorfer: Man kann doch nicht erwarten, dass sich viele Menschen für Theater interessieren. Gutes Theater ist teuer, nicht leicht verständlich – und das gefällt nicht allen. Aber man muss doch nicht immer alles verstehen. Man muss fühlen, staunen, weinen, sich einlassen auf die Dinge. Das zählt. Egal ob Theater, Kino oder Fernsehen.

Lassen Sie uns ein kleines Spiel spielen: Ich sage Ihnen ein Begriffspaar, Sie entscheiden sich und begründen ganz kurz. Kino oder Theater?

Mittendorfer: Kino. Eine ganz heiße Nummer ist meine erste große Premiere. Mit meinen Soloprogrammen im Theater toure ich schon seit zehn Jahren. Das jetzt ist einfach etwas ganz anderes.

Penthesilea oder Liesl Karlstadt?

Mittendorfer: Liesl Karlstadt. Weil ich sie gerade spiele.

Komödie oder Tragödie?

Mittendorfer: Tragödie. Denn wirkliche Freude kann man nur empfinden, wenn man auch die andere Seite der Medaille kennt.

Premiere feiert Ihr neuer Film in der Filmgalerie Bad Füssing. Sind Sie nervös vor der Vorstellung in der Heimat? Haben Sie „Eine ganz heiße Nummer“ schon mit Publikum gesehen?

Mittendorfer: Auf dem Filmfest in Zürich hatten wir Vorstellungen, in denen das Publikum umwerfend positiv reagiert hat. Außerdem weiß ich: Ich habe getan, was ich konnte. Nervös bin ich aber trotzdem vor jeder neuen Vorführung und frage mich: Was, wenn der Film nicht ankommt? Ich habe aber nicht den Eindruck, dass es so kommt (klopft auf Holz).

Zur Person

Die Schauspielerin Bettina Mittendorfer stammt aus Bad Griesbach im Rottal. Nach einer Lehre zur Floristin und dem Besuch der Fachoberschule in Passau studierte sie von 1992 bis 1995 an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule Schauspielerei. Ihren ersten Auftritt auf der Leinwand hatte Mittendorfer 1992 in Sigi Zimmerschieds Schartl, es folgten hauptsächlich Fernsehproduktionen des Bayerischen Rundfunks: von Café Meineid und Um Himmels Willen über Beste Gegend bis In aller Stille. Im Kino war sie heuer in Sommer in Orange von Marcus H. Rosenmüller zu sehen.

Vor allem ist Bettina Mittendorfer eine gefragte Theaterschauspielerin, die vor fordernden Rollen nicht zurückschreckt: Zu sehen war sie in Heinrich von Kleists Penthesilea oder als Emerenz Meier während der Europäischen Wochen Passau 2008. Ihre Engagements reichen vom Münchner Volkstheater und der Bayerischen Theaterakademie bis zum Staatstheater am Gärtnerplatz und den Münchner Kammerspielen. Derzeit ist sie mit dem Stück Lena, Zenzl, Liesl – drei bayerische Amazonen unterwegs. (sh)

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