„Der richtige Film für Bad Füssing“ (PNP vom 15.01.2011)

Mit einer Romanverfilmung im Gepäck kommt der Regisseur, Autor und Produzent Felix Moeller am 20. Januar um 19.30 Uhr in die Filmgalerie Bad Füssing. „Small World“ mit Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara ist ein spannender Film über dunkle Familiengeheimnisse, die Dekadenz der Superreichen und die zersetzende Wirkung von Alzheimer. Ein Gespräch über die Entstehung dieses Films (Foto: Gregor Baron).Herr Moeller, wie kam Ihre Produktionsfirma an das Projekt „Small World“?

Felix Moeller: Ich habe ganz persönlich eine große Affinität zu Frankreich. Meine Mutter (Anm.: Die Regisseurin Margarethe von Trotta) verbringt viel Zeit dort, wir haben auch zeitweise dort gelebt. Meine Kollegin Amelie Latscha spricht fließend Französisch. Wo andere in Verhandlungen nicht mehr weiterkommen, kann sie weiter wie eine Muttersprachlerin auftreten. Das ist gerade in Frankreich sehr wichtig für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Da lag es nahe, dass wir uns mit der gemeinsamen Firma auf deutsch-französische Produktionen spezialisieren, wie zum Beispiel vergangenes Jahr „Die Schachspielerin“. Das hat sich herumgesprochen.

In welchem Stadium befand sich „Small World“, als sie ihre Mitarbeit begonnen haben?

Moeller: Die französischen Partner haben sich gedacht: Wenn ein deutschsprachiger Bestseller verfilmt wird – die Romanvorlage stammt ja von dem Schweizer Martin Suter – dann sollten auch deutsche Produzenten mitbeteiligt sein und hoffentlich das nötige Geld für den Film beschaffen. Wir hatten von Anfang an ein gutes Paket: Ein Bestseller eines bekannten Autors, ein überzeugendes Drehbuch, dazu Gérard Depardieu in der Hauptrolle. Wir haben dann noch Alexandra Maria Lara als seinen Gegenpart vorgeschlagen. Da war es nicht ganz so mühsam einen Verleih und eine Förderung zu finden.

Felix Moeller (Foto: Gregor Baron)

Hält man sich als (Co-)Produzent dann beim Dreh im Hintergrund? Haben Sie Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara überhaupt am Set erlebt?

Moeller: Da wir ja nur der kleinere Partner in dem Projekt waren, war unsere Rolle am Drehort natürlich sehr begrenzt. Die französischen Kollegen waren praktisch täglich dort und haben für optimale Bedingungen gesorgt. Wir waren nur einmal zu Besuch. An dem Tag aber hat Gérard Depardieu das Catering übernommen und alles von seinem Weingut bringen lassen – man hatte den Eindruck, dass bei französischen Produktionen immer Wein, Champagner und andere Delikatessen aufgetischt werden.

Nach dem Dreh geht die Arbeit für die Produzenten noch einmal so richtig los, oder?

Moeller: Ja, in der sogenannten Postproduktion. Da waren wir zum Beispiel für die Musik zuständig und haben mit dem Komponisten Klaus Badelt zusammengearbeitet, der schon für „Gladiator“ oder „Fluch der Karibik“ komponiert hat. Wenn der Film fertig ist geht es ja noch weiter, schließlich müssen wir ihn bewerben und in die Kinos bringen. Insgesamt waren wir etwa zwei Jahre mit „Small World“ beschäftigt, bevor es Mitte Dezember soweit war – wir konnten ja nicht ahnen, dass zu dieser Zeit der heftigste Winter seit 40 Jahren tobt und die Leute sich kaum aus dem Haus trauen. In Frankreich läuft der Film erst Mitte März an, und zwar groß, egal, wie viele Zuschauer er in Deutschland hat. Denn Gérard Depardieu erlebt dort gerade eine solche Renaissance, der lockt mit jedem seiner Filme Millionen Zuschauer in die Kinos.

Kommen wir noch auf den Inhalt zu sprechen. Was für einen Film sehen wir eigentlich? Ein Rührstück über Alzheimer, einen Thriller, eine Sozialstudie über die Dekadenz der Superreichen? Und wie nah ist Ihr Regisseur an der Romanvorlage geblieben?

Moeller: Der Film lässt sich tatsächlich nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen. Er ist eine Art Familiensaga mit sehr dramatischen und – eher unfreiwilligen – komödiantischen Elementen. Eine Alzheimer-Studie ist er aber ganz sicher nicht. Die beginnende Demenz der Hauptperson dient ja dazu, ein dunkles Geheimnis zu verdecken, dem er im Laufe der Zeit fast unbewusst auf die Spur kommt. Es ist immer schwer einen vielschichtigen Roman in einen Film umzusetzen, ihn zu verdichten, zu konzentrieren und auch mehrere Figuren in eine zusammenzufassen. Jedem Buchliebhaber wird immer etwas fehlen. Im Roman „Small World“ zum Beispiel ist die Hauptfigur ein zerbrechlicher kleiner alter Mann – und im Film haben wir den starken großen präsenten Gérard Depardieu. Man muss den Film zum Roman als eigenständiges Werk betrachten. Und unser eigenständiges Werk hat den Original-Autor Martin Suter sehr berührt.

Eine Szene aus Small World: Konrad (Gérard Depardieu) genießt mit Simone (Alexandra Maria Lara) wie ein kleines Kind den ersten Schnee. (Foto: Magali Bragard/Majestic)

Sie haben einen Film über den Nazi-Regisseur Veit Harlan gedreht, den Sie im Oktober in Bad Füssing vorgestellt haben. Sie haben zur frühen Hildegard Knef, Familie Verhoeven, Goebbels gearbeitet. Mit leichten Stoffen können Sie nicht viel anfangen, oder?

Moeller: Ich finde schon. Gerade unsere deutsch-französischen Filme „Small World“ und „Die Schachspielerin“ waren nicht wirklich schwer, aber eben anspruchsvoll, ästhetisch und auch zum Nachdenken anregend. Im Gegensatz dazu stehen natürlich die Filme und Dokumentationen, in denen ich mich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetze. Dafür bin ich nun mal Historiker. Was „Small World“ angeht, so glaube ich: Eine solche Literaturverfilmung ist für Bad Füssing genau der richtige Film.

Ihre nächste Dokumentation trägt die Zuschauer aber wieder zurück in die Zeit des NS-Regimes…

Moeller: Richtig. Sie heißt „Von Treblinka nach Triest“. Dabei geht es um eine Gruppe von Nazimördern, die noch kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches ein Konzentrationslager an der Adria aufgebaut haben. Eine grausame, fast schon skurrile Randnotiz aus den Wirren des Zweiten Weltkriegs.

Herr Moeller, wir danken für das Gespräch.

ZU FILM UND PRODUZENT

Er ist alt, verwirrt und Handlanger der wohlhabenden Familie Senn: Der eigensinnige Kauz Konrad Lang (Gérard Depardieu) leidet an Alzheimer und die Krankheit schreitet rapide voran. Er hat immer schlimmere Aussetzer, scheint bald gänzlich die Kontrolle über sein Handeln zu verlieren – erinnert sich aber immer präziser an seine früheste Kindheit. Er beginnt Simone (Alexandra Maria Lara), der jungen Ehefrau des Familienerben, seine Erinnerungen zu erzählen. Die passen nicht so recht zur offiziellen Version der Familiengeschichte. Verwundert beobachtet Simone die wachsende Nervosität der Familienangehörigen. Sie fühlt sich zu dem verwirrten Alten hingezogen, während der Rest der Familie sich kühl distanziert. Als Simone auch noch damit beginnt, das Puzzle aus Konrads Erinnerungen zusammen zu setzen, ahnt sie nicht, dass sie damit einem lebensgefährlichen Geheimnis auf der Spur ist …

Co-Produzenten des Films sind Felix Moeller und Amelie Latscha, die beide am kommenden Donnerstag in der Filmgalerie zu Gast sein werden. Der Regisseur und promovierte Historiker Felix Moeller war bereits für Dokumentarfilme Die Verhoevens (2003), Knef – Die frühen Jahre (2005), Katja Riemann (2006) und Harlan – Im Schatten von Jud Süß (2008) verantwortlich und war Berater bei zahlreichen historischen Spiel- und Dokumentarfilmen. Als Autor hat er sich mit der Propaganda im Dritten Reich, Joseph Goebbels, Leni Riefenstahl, Hildegard Knef und dem Frauenprotest in der Berliner Rosenstraße 1943 beschäftigt.

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