Camping ist, was du daraus machst (PNP vom 31.7.2010)

Camping

Es ist Sommer – und Millionen Camper sind wieder unterwegs. Camping, das ist schon lange nicht mehr Gartenzwerge, Bier und Grillen – es ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Einige Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern.

Wirtschaftskraft: Gut sieben Millionen Camper in Deutschland geben im Jahr während ihrer Aufenthalte 3,3 Milliarden Euro aus. Fast genauso viel investieren sie in ihre Ausrüstung. Für einen hübschen Stellplatz kann man gut 30 Euro pro Nacht einkalkulieren, etwa 10 Euro kostet der Platz fürs Zelt. Dauercamper werden im Jahr mindestens 1.000 Euro Gebühren los.Dafür gibt es fließend Wasser, Strom, Kabelanschluss, Top-Waschgelegenheiten, Internet und vieles mehr. Wer bereits 70.000 Euro für ein durchschnittliches Wohnmobil zahlt, möchte eben im Urlaub nicht aufs Plumpsklo gehen. Im Schnitt gibt der Campingtourist, der hier und dort sein Heim aufschlägt, pro Kopf und Tag 48,50 Euro aus.

Campen in Deutschland: Hierzulande gibt es 3.600 Campingplätze. In den vergangenen drei Jahren sind die Übernachtungszahlen um ein Fünftel gestiegen. Ganz oben auf der Liste stehen Bayern mit 4,3 Millionen und Mecklenburg-Vorpommern mit 4 Millionen Übernachtungen im Jahr 2009. Und in dieser Statistik werden die Camper, die nur unweit der eigenen Haustür übernachten, gar nicht erst mitgezählt. In Mecklenburg-Vorpommern warten 26.000 Stellplätze auf 189 Campingplätzen darauf, gebucht zu werden. 15 davon erhielten nach einer Bewertung des ADAC die Höchstnote.

Für die Massen: Das Waschhaus im Campingpark Kühlungsborn hat die Größe einer Konzerthalle. Es gibt ein Kinderbad, einen Erholungsbereich und kleine verspiegelte Waschecken. 655 Wohnwagen und -mobile haben hier direkt am Ostseestrand Platz. Da geht das familiäre Gefühl zwar etwas verloren, langweilig wird es aber nie: Es gibt eine eigene Surf- und Segelschule, Animation und Kinderbetreuung laufen praktisch rund um die Uhr. Beachvolleyball, Tischtennis und Minigolf gehören in so großen Anlagen zum Standard. Wer keinen Sport will nutzt, dem drahtlosen Internetanschluss sei Dank, seinen Computer und bucht den Stellplatz für das nächste Jahr gleich online – samt aller Pauschalpakete und Rabatte. Info: Campingpark Kühlungsborn: Waldstraße 1b, 18225 Ostseebad Kühlungsborn, Tel. 038293/7195. 655 Stellplätze, www.topcamping.de.

Für Körper und Geist: Der Campingplatz in Börgerende ist „eine Oase der Ruhe direkt an der Ostsee“, wie Geschäftsführerin Christa Sürken stolz berichtet. Sie hat den ersten anerkannten Kneipp-Campingplatz eröffnet. Das Tretbecken liegt in der prallen Sonne und könnte kälter sein, auch der Kräutergarten und die Turngeräte für Senioren wirken ein wenig deplatziert. Wer das verschmerzen kann, bekommt moderne Sanitäranlagen, Komfortstellplätze und eine neu eingerichtete Physiotherapie mit Sauna geboten. Massagen, ärztlich verschriebene Behandlung oder Drei-Tages-Wohlfühlpakete – alles ist möglich. Wer die 100 Meter zum Meer nicht schafft, kann für 32 Euro das Programm „Vital am Meer“ buchen, inklusive Fangopackung, Massage, Sauna und Sekt. Info: Ferien-Camp Börgerende: Deichstraße 16, 18211 Börgerende, Tel. 038203/81126. 250 Stellplätze, http://www.ostseeferiencamp.de.

Prerow

Sand in den Schuhen garantiert: Campen direkt in den Dünen der Ostsee im Regenbogen-Camp Prerow.

Ich hab noch Sand in den Schuhen... vom Regenbogen-Camp Prerow. Das erstreckt sich über zweieinhalb Kilometer direkt am Strand mitten im Nationalpark auf dem Darß. In den Dünen stehen die Zelte, die Wohnwagen werden eigens mit Treckern auf den weißen Strand geschleppt. Wer viel Gepäck dabei hat, erhält zum Transport einen Handkarren. An Spitzentagen gibt es bis zu 190 An- und Abreisen, und es soll Menschen geben, die hier bei Wind und Wetter Weihnachten und Silvester verbringen. Wer das nicht will, kann auf einen der zwölf anderen Plätze des Betreibers Regenbogen AG fahren – einen davon gibt es in Bayerbach im Rottal. Dort kann man dann guten Gewissens die Kleidungsstücke aus der Regenbogen-Fankollektion auftragen. Info: Regenbogen Camp Prerow: Bernsteinweg 4-8, 18375 Prerow. 1250 Stellplätze und 29 Mietunterkünfte, http://www.regenbogen-camp.de.

Zelten mit Familienanschluss: Mitten im Darßer Urwald zwischen Arenshoop und Born liegt das riesige Gelände der Jugendherberge Born-Ibenhorst. Wer dort auf der Wiese unter Bäumen zeltet, kann alle Angebote der Jugendherberge (wie Vollpension, Minigolfanlage, geführtes Geo-Caching) mitnutzen. Und wenn der Mückenschutz ausgeht: Einfach in eines der bunten, modern eingerichteten Holzhäuser einziehen und sich wie in Bullerbü fühlen. Info: Jugendherberge Born-Ibenhorst, Im Darßer Wald, 18375 Born, Tel. 038234/229. 188 Betten, 120 Zeltplätze, http://www.jugendzeltplaetze-mv.de.

Plauer See

Das geht auch: Camping direkt am Wasser, mit Bootssteg und eigenem Strand, hier auf dem Campingplatz von Alt Schwein am Plauer See.

Klein, aber fein: Direkt am Plauer See, dem zweitgrößten Gewässer der Mecklenburgischen Seenplatte, liegt der Campingplatz von Alt Schwerin. Über einen Kilometer reihen sich Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte zwischen Wald und Wasser. Der stets gut gelaunte Betreiber Michael Hecht ist übrigens der einzige, der den einzig wahren Unterschied zwischen Zeltern, Wohnwagen- und Wohnmobilbesitzern erklären kann: „Zelter fragen nach dem Service, Wohnwagenbesitzer nach Restaurant und Sanitäranlagen, Leute mit Wohnmobil nach dem Preis.“ Auf der Insel Werder im Plauer See betreibt er auch einen FKK-Campingplatz. Dort gibt es übrigens eine sogenannte Slip-Stelle. Ob man da für den Notfall Unterhosen bekommt? Herr Hecht wird es allen Unwissenden sicher gerne erklären. Info: Camping am See: Alt Schwerin, An den Schaftannen 1, 17214 Alt Schwerin, 039932/42073. 180 Stellplätze, www.camping-alt-schwerin.de.

Ausgezeichnet: Die Campingbranche gewinnt neue Kunden, weil sie vermehrt auf Komfort setzt. Ein Toilettenhaus auf der Wiese reicht nicht mehr – heute müssen es schon private Badezimmer sein, ein großes Restaurant mit internationaler Küche, eine Surfschule, ein Bootsverleih, Wasserski, Beachvolleyball, Kinderanimation und eine Abspülhalle. Wie zum Beispiel im Campingpark Kamerun in Waren an der Müritz. Der Fünf-Sterne-Platz wurde vom ADAC, diversen Verbänden, ECO-Camping, TopPlatz, dem Qualitätsmanagement Angelurlaub und dem Wohnmobilhersteller Hymer ausgezeichnet. Wem das nicht reicht, kann auch eine der sechs Fünf-Sterne-Ferienwohnungen anmieten. Info: Campingpark Kamerun, Zur stillen Bucht 3, 17192 Waren/Müritz, Tel. 03991/122406. 280 Stellplätze. Internet: http://www.campingtour-mv.de.

Ordnung muss sein: Hier ein kurzer Auszug aus einer Campingplatzordnung mit 23 Paragraphen: „Die Platzruhe dauert von 13 bis 15 und von 22 bis 7 Uhr.“ – „Hunde sind an der Leine zu führen. Zur Verrichtung ihrer Notdurft sowie zum Baden sind sie außerhalb des Campingplatzes zu führen. Verunreinigungen durch Tiere sind vom Halter sofort zu beseitigen.“ – „Müll ist vorzusortieren und getrennt zu entsorgen.“

Tipohuka

Zurück zur Natur und Übernachten im Tipi bei Annette und Oliver Hellweg in den mecklenburgischen Provinz.

Wie die Indianer: Es gibt keine Dusche und nur ein Natur-Plumpsklo, es wimmelt von Ponys, Hunden, Katzen und Hühnern – aber wer zurück zu den Wurzeln der Menschheit will, kommt dem bei TiPoHuKa schon nahe. Annette und Oliver Hellweg geht es darum, „den Gästen die Natur wieder nahe zu bringen und zu entschleunigen“. Man übernachtet im Tipi, grillt am Lagerfeuer, schießt Bogen, reitet, wandert, macht Kajaktouren oder lässt sich massieren. Und wer das Komplett-Wochenende „Kuscheln wie die Indianer“ bucht, bekommt ein Candle-Light-Dinner im Tipi gleich dazu. Da verzehrt man dann, auf Baumstämmen sitzend, Quark, selbst gegrilltes Stockbrot und Backkartoffeln. Info: Tipohuka Landerleben: Woltow Haus 41, 18195 Selpin, Tel. 038205/13344. Tipis für 10 Personen, www.tipohuka.de.

Auf dem Wasser: In den Mecklenburgischen Seenplatte wird ein motorisiertes Floß zum fahrbaren Wohnwagen-Stellplatz – wenn das Gefährt maximal 1.800 Kilo wiegt, 2,5 Meter breit und 7,75 Meter lang ist. Hat man dann noch eines Trink- und Abwasser-System, kann man durch die Seen schippern. Ab 2011 ist das selbst ohne Führerschein möglich. Info: www.freecamper.de, www.mecklenburgische-seenplatte.de.

Weitere Infos zum Camping: www.auf-nach-mv.de, www.camping-caravan-mv.de

Sebastian Haas, ehemaliger PNP-Stipendiat und heute freischaffender Journalist in Passau, hat auf Einladung des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern einige Campingplätze besucht.

Quelle: http://www.pnp-reise.de/artikel.php?cid=29-28756536&res=&Map=reise-portal&BNR=0

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