Schmuckstück Toledo (PNP vom 26.6.2010)

In Toledo im Herzen Spaniens kommt man sich vor wie in einem Freilichtmuseum. An allen Ecken finden sich Zeugnisse vergangener Epochen. Die gesamte Altstadt mit ihren engen Gassen ist Teil des Weltkulturerbes der Unesco und lässt sich problemlos an einem Tag zu Fuß erkunden.

Die Altstadt von Toledo liegt hoch über den Ufern des Flusses Tajo, der eine tiefe Schneise in die Felsen rundherum gegraben hat. Die beeindruckende Sicht auf die Stadt wird dominiert vom Alcazar, der ehemaligen Königsresidenz. Ein absolutes Muss bei jedem Besuch in Toledo aber ist die Besichtigung der Kathedrale. Gebaut hat man sie zwischen 1277 und 1493 auf den Fundamenten einer westgotischen Kathedrale aus dem 6. Jahrhundert, die zwischenzeitlich von den Mauren als Moschee genutzt worden war.

Sogar schöner als der Passauer Dom

Für Kunst- und Architekturbegeisterte ist die Kathedrale eine wahre Offenbarung. Die Außenmauern sind reich verziert, über dem Hauptportal beispielsweise wurde das letzte Abendmahl in Stein gehauen. Und das Innere des Gotteshauses ist so beeindruckend, dass sich selbst der Passauer Dom dahinter verstecken muss. Ein majestätisches meterhohes Altarbild, mit Gold überzogen und aufwändig bemalt, dominiert die Hauptkapelle. Ins Chorgestühl wurden Szenen aus der Rückeroberung Granadas eingeritzt. Die Sakristei ist eine wahre Pinakothek mit Gemälden von El Greco, Tizian, Carvaggio, Goya, Rubens und vielen mehr. In der Schatzkammer befindet sich eine goldene Monstranz aus 5600 Teilen, 2,50 Meter hoch und mit einem Diamantkreuz bestückt. Dazu kommen ein wunderschöner Kreuzgang, mehrere Kapellen, Gräber von Königen und Bischöfen – man kann Stunden hier verbringen und es wird nicht langweilig.

Kein bisschen langweilig ist auch die Geschichte der Stadt selbst. Lange war Toledo die Hauptstadt des Westgotenreiches, bis es 712 von den Mauren erobert wurde. Tolaitola, wie die Stadt nun hieß, war auch in der muslimischen Zeit eine der bedeutendsten nordspanischen Städte. Erhalten geblieben sind zwei sehenswerte Moscheen. Nach der Rückeroberung wurde Toledo 1087 die Residenz des Königreichs Kastilien und blieb es bis 1561.

Aus dieser Zeit stammen viele schöne Bauten, die von arabischen Einflüssen geprägt sind – zum Beispiel der schon erwähnte Alcazar oder die Kirche San Juan de los Reyes. Sie wurde als Begräbnisstätte für die Könige errichtet und an ihrer Außenwand hängen noch heute die Ketten derer, die von den Christen aus der muslimischen Sklaverei befreit wurden. Sehenswert sind auch zwei aus dem Mittelalter erhaltene Synagogen. In der einen, El Transito, befindet sich heute ein Museum zur Geschichte der Juden in Spanien. Die andere, Santa Maria, wird von weißen Bögen in Hufeisenform getragen und hat daher den Beinamen La Blanca, die Weiße.

Nur wenige Gehminuten entfernt in der Kirche Santo Tomé ist eines der wichtigsten Gemälde von El Greco ausgestellt: Das Begräbnis des Grafen von Orgaz. In der ganzen Stadt trifft man auf Spuren El Grecos. Der berühmte Maler lebte von 1577 bis zu seinem Tod 1614 in Toledo und schuf hier Werke, die in praktisch allen Kirchen und Museen der Stadt zu sehen sind.

MEHR INFOS

Anreise: Üblicherweise als Tagesausflug von Madrid, das nur 70 Kilometer entfernt liegt. Züge fahren mehrmals täglich von Madrid-Atocha; Preis für einen Erwachsenen (hin und zurück): 19 Euro; Fahrzeit: 30 Minuten. Die Fahrkarte am besten am Vortag oder über das Internet kaufen. Mit dem Bus für gut 5 Euro pro Person, Fahrzeit gut eine Stunde. Mit dem Auto auf der A-42 von Madrid.

Preise: Die Altstadt von Toledo ist gänzlich auf die Touristen ausgerichtet, daher muss auch für jeden Kirchenbesuch ein Eintritt von meist 2,30 Euro gezahlt werden. Der Eintritt in die Kathedrale beträgt 7 Euro.

Quelle: http://www.pnp-reise.de/artikel.php?cid=29-27782741&bnr=0

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