Und Passau spielt die Hauptrolle (PNP vom 2.3.2010)

Regisseur Mike Marzuk stellt „Rock it“ in der Filmgalerie vor – Gedreht wurde im Schloss Freudenhain

Bad Füssing. Ein wahres Multitalent können die Kinobesucher am kommenden Freitag, 5. März, um 19 Uhr in Bad Füssing treffen. Regisseur Mike Marzuk stellt seinen aktuellen Musical- und Jugendfilm „Rock it“ in der Filmgalerie vor. Der 40-Jährige ist nicht nur als Regisseur, Drehbuchautor und Cutter bekannt, sondern auch als Deutsch-Rapper: Mitte der 90er-Jahre hat er unter dem Pseudonym „Kleine Haye“ zwei Alben und mehrere Singles aufgenommen. Für seinen Debütfilm „Weißt was geil wär…?!“ erhielt Marzuk 2008 den „New Faces Award“. Im gleichen Jahr sahen über eine Million Zuschauer den Jugendfilm „Sommer“, bei dem Marzuk ebenfalls Regie führte. Am Freitag stellt sich Marzuk den Fragen der Zuschauer in Bad Füssing, die der Passauer Neuen Presse hat er bereits beantwortet.

Herr Marzuk, wieso benötigen wir einen deutschen Musicalfilm?

Marzuk: Weil wir auch Musical können. Für uns Filmemacher war „Rock it“ ein großes Experiment: Können wir eine gute Geschichte schreiben? Wer kann uns mit passender Musik versorgen? Wie finden wir die richtigen Darsteller?

Wie sind Sie an Ihre Darsteller gekommen?

Marzuk: Wir haben über Monate ein deutschlandweites Casting durchgeführt und hatten weit über 1000 Kandidaten. Ich hätte nie gedacht, dass wir darunter so viele Talente finden, die sich mit aller Kraft in ein Filmprojekt stürzen, ohne dabei unangenehm ehrgeizig zu sein. Für unsere jungen Darsteller war es das erste Projekt in einer solch großen Dimension – mit Ausnahme unserer Hauptdarstellerin Emilia Schüle, die bereits in „Freche Mädchen“ mitgespielt hat.

„Rock it“ wird vom Disney-Konzern mit einer riesigen Marketingkampagne begleitet. Es gibt Tassen, Puzzle, T-Shirts, Klingeltöne, die „Bravo“ richtet einen Musikwettbewerb aus. Bekommen Sie die Jugend ohne immensen Werbeaufwand nicht mehr ins Kino?

Marzuk: Ohne Marketing läuft tatsächlich nichts mehr. Ich als Regisseur bemühe mich zwar, einen guten Film zu machen, doch nach Abschluss der Dreharbeiten liegt der Erfolg nicht mehr in meiner Hand. Filme leben davon oder sterben daran, ob sie bekannt sind oder nicht. Disney und Bravo sind für ein Projekt wie „Rock it“ großartige Partner, denn sie bedienen genau unsere Zielgruppe.

Die Kritik geht wenig freundlich mit ihrem Film um. Unser Feuilleton empfiehlt: Schauen Sie den Film an, aber nur, weil er in Passau spielt. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Marzuk: Ich rate ihnen: Schaut den Film bitte an, bevor Ihr ihn zerreißt, und zieht nicht pauschal über alle Musical-Filme her. Wahrscheinlich können sich die meisten Feuilletonisten nicht mehr in unsere Zielgruppe hineinversetzen. Wir haben diesen Film nicht für Erwachsene gemacht, sondern für Kinder und Jugendliche. Er ist nicht sozialkritisch, sondern ein Gute-Laune-Movie mit positiven Aussagen. Alle Eltern können ihre Kinder guten Gewissens ins Kino schicken. Und wir Macher haben ein Jahr lang mit vollem Einsatz an „Rock it“ gearbeitet, wir freuen uns über das Ergebnis. Schlechte Kritiken prallen an uns ab.

Wie sind Sie an das Schloss Freudenhain in Passau als Drehort gekommen?

Marzuk: Wir haben ein disneyhaftes Gebäude mit Ambiente gesucht und gemeinsam mit unserem Location-Scout Freudenhain gefunden. Das Gebäude allein ist schon ein Star unseres Films. Und dann liegt es noch so schön ruhig, ohne Straßenlärm und störende Nebengeräusche – das hat den Dreh noch einfacher gemacht.

Werden die Zuschauer Freudenhain und Passau wiedererkennen?

Marzuk: Natürlich, auch wenn ein paar Räume im Schloss nicht dieselbe Funktion haben wie im Alltag. Klassenzimmer wurden zu Internatszimmern, den Brunnen im Innenhof haben wir aufgepeppt, in eine ungenutzte Ecke haben wir einen Aufzug eingebaut. Mit der Schulleitung haben wir sehr gut zusammengearbeitet, man hat uns ohne Murren streichen und umräumen lassen. Gedreht haben wir außerdem in Braunau und in Schärding. So läuft das beim Film: Man reißt Örtlichkeiten auseinander, lässt die Schauspieler zur einen Tür hineingehen und zu einer ganz anderen hinauskommen, und trotzdem funktioniert es.

Sie haben schon Werbejingles komponiert und auf deutsch gerappt. Wie sehr hat Ihnen die musikalische Erfahrung bei „Rock it“ geholfen?

Marzuk: Für Regie, Cutten, Musik und Schauspiel braucht man Rhythmus und Timing. Darüber verfüge ich. Ich weiß, wann ich von einem Schauspieler genug gesehen habe und mich einer neuen Szene zuwenden kann. Natürlich hilft es, dass ich etwas vom Musikmachen verstehe. So konnte ich den Schauspielern zeigen, wie sie ihre Finger auf dem Klavier zu bewegen haben, damit es auch echt wirkt.

Herr Marzuk, wir danken für das Gespräch.

Zum Film

„Rock it“ ist ein typisches Highschool Musical. Die Nachwuchsdarsteller werden mit Sicherheit von den jungen Zuschauern angehimmelt, die Lieder sind die reinsten Ohrwürmer, die Story ist nicht besonders fantasievoll, der Mega-Konzern Disney vertreibt den Film. Was ihn aber besonders macht: Er spielt an einem deutschen Internat, gesungen wird in deutscher Sprache, und gedreht wurde er in und um das Schloss Freudenhain in Passau. Die Hauptfigur des Films ist Julia (Emilia Schüle), eine süße 15-Jährige aus gutem Hause. Ihre Eltern, Dirigent und Pianistin, wünschen sich für ihre Tochter eine klassische Musikausbildung am Internat Amadeus. Doch während der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung lernt Julia den noch süßeren Nick (Daniel Axt) kennen. Der sucht für seine Band „Rock it“ gerade einen Keyboarder. Julia verkleidet sich also als Rock-Röhre und fegt fortan über die Bühne. Das kann natürlich nicht gut gehen. Die intrigante, karrierebesessene Betty (Vivien Wulf) lässt die Tarnung auffliegen und Julia muss sich entscheiden: Wird sie eine gefeierte Pianistin und erfüllt somit die Ansprüche ihrer Eltern, oder lebt sie ihre Träume…

Quelle: http://www.pnp.de/lokales/artikel.php?cid=29-27242484&Ressort=ge&Ausgabe=a&RessLang=poc&BNR=0

Foto: Disney/Lindalax PR

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