Schnell studieren ist nicht alles (PNP, Januar 2010)

Filmproduzent Jakob Claussen stellt in der Filmgalerie Bad Füssing „13 Semester“ vor.

Bad Füssing. Wieder einmal haben interessierte Kinogänger die Möglichkeit, der Filmwelt ganz nahe zu kommen. Am kommenden Donnerstag, den 21. Januar, um 19 Uhr ist der Münchner Filmproduzent Jakob Claussen zu Gast in der Filmgalerie. Er stellt seinen aktuellen Film „13 Semester“ vor, eine charmante Komödie übers Studieren, Erwachsenwerden und das, was wirklich zählt im Leben. Nach der Vorstellung wird Claussen, der Filme wie „Krabat“, „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ oder „Jenseits der Stille“ produziert hat, die Fragen der Zuschauer beantworten. Den Fragen der Passauer Neuen Presse hat sich bereits gestellt.

Herr Claussen, an wen richtet sich Ihr Film? An ehemalige Studenten, die der alten Zeit nachtrauern, oder an die heutigen Studenten, die gerne 13 Semester Zeit zum Studieren hätten?

Jakob Claussen: Jeder, der einmal eine Uni von innen gesehen hat, wird von uns angesprochen. Natürlich wollen wir zeigen, dass das alte Studiensystem nicht so schlecht war. Das macht den Film zwar ein wenig nostalgisch, doch das haben wir bewusst in Kauf genommen.

Und worum geht es wirklich in „13 Semester“?

Claussen: Natürlich geht es um universellere Themen als die Studienreform. Unser Film behandelt eine Zeitspanne von sechseinhalb Jahren. Zu Beginn zahlt man noch in D-Mark und der 11. September war ein ganz normales Datum. Wir stellen die Fragen, die sich junge Erwachsene in dieser Zeit eben stellen: Wo komme ich her? Wo will ich hin? Wie komme ich klar in dieser Welt? Das macht den Film ja auch für die 14-Jährigen interessant, die ihn sich jetzt anschauen. Die einzigen Leute, die wir mit „13 Semester“ nicht ansprechen, sind die mit schlechter Laune.

Wer sind die Hauptdarsteller des Films?

Claussen: Wir haben mit einer Riege von jungen Schauspielern gearbeitet, die ihre ersten großen Rollen spielen. Claudia Eisinger hat kürzlich die Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin abgeschlossen, ebenso wie Alexander Fehling, der auch schon in den „Buddenbrooks“ oder „Inglorious Basterds“ zu sehen war. Bei Max Riemelt, den man aus Filmen wie „Napola“ oder „Die Welle“ kennt, hat die Schule des Lebens genügt, um gut spielen zu können. Ein großer Dank gebührt auch den vielen Komparsen und Kleindarstellern, mit denen wir in Frankfurt und an der Technischen Universität Darmstadt gedreht haben.

Apropos Universität – gab es auf „13 Semester“ bereits Reaktionen aus dem Bildungssektor?

Claussen: Den Darmstädter Professoren haben wir den Film vorab gezeigt, und die waren sehr einverstanden. Schließlich wissen die ebenso gut wie wir: Zum Erwachsenwerden gehört Zeit, man darf auch mal in die falsche Richtung laufen, das Hetzen durchs Studium ist nicht das Einzige. Und ein Herr aus dem hessischen Kultusministerium hat nach der Vorstellung angekündigt, dass er am Tag darauf mit seiner Frau noch mal reingehen will. Ich weiß aber nicht, ob er es tatsächlich gemacht hat…

Welche Rolle spielt die Musik in ihrem Film?

Claussen: Eine große, wie sie wohl auch im Leben jedes Studenten spielt. Wir haben mit drei Komponistenteams gearbeitet und unterschiedlichste Musikstücke eingebaut. Die junge Berliner Band „Bonaparte“ tritt sogar im Film auf. Ich kann Ihnen versichern: Ich habe noch nie für ein Projekt eine so ausführliche Gema-Liste ausgefüllt, um die rechtlichen Fragen für die Verwendung der Musikstücke zu klären.

Selbst Loriot hat die Arbeit zu „13 Semester“ unterstützt. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Claussen: Unser Regisseur Frieder Wittich hatte den Nachwuchspreis First-Steps gewonnen und konnte sich für sein nächstes Projekt einen Mentor aussuchen. Da hat er keinen Geringeren als Vicco von Bülow – alias Loriot – gewählt. Der hat sich dann mit unseren Autoren getroffen und lange mit ihnen darüber diskutiert, was witzig ist und was nicht. Einen nachgespielten Loriot-Sketch werden Sie in unserem Film aber nicht sehen.

Was muss passieren, damit das Projekt erfolgreich für Sie endet?

Claussen: Ich bin schon jetzt sehr zufrieden damit. Der Film trifft meinen Geschmack und mein Humorverständnis, anscheinend auch das der meisten Kritiker – und jetzt freue ich mich über jeden Zuschauer. 200.000 Kinobesucher haben wir uns zum Ziel gesetzt, nach einer Woche haben wir bereits 75.000, das sollte also klappen. Mit unserem Regisseur Frieder Wittich, für den es ja der erste Kinofilm war, planen wir bereits das nächste Projekt.

Herr Claussen, vielen Dank für das Gespräch. Zum Abschluss gestatten Sie mir aber noch eine Frage: Wie lange haben Sie eigentlich studiert?

Claussen: Oh, ich war ein ziemlicher Streber. In acht Semestern war ich fertig. Aber an der Filmhochschule läuft ein Studium ja ganz anders als bei Jura oder BWL. Frieder Wittich hat übrigens für dasselbe Studium 14 Semester benötigt. Wie er das gemacht hat, soll er Ihnen aber selbst erklären.

Die Fragen stellte Sebastian Haas

ZUM FILM

Der Studienplatz für Wirtschaftmathematik führt die beiden Freunde Momo (Max Riemelt) und Dirk (Robert Gwisdek) aus Brandenburg an die Technische Universität in Darmstadt – oder besser gesagt: von der Provinz in die Freiheit. Während Dirk in Vorlesungen, Hausarbeiten und Tutorien aufgeht, fliegt Momo aus der Lerngruppe. Denn er feiert lieber mit seinem Kumpel, dem Frauenschwarm Bernd (Alexander Fehling), macht blau oder schwärmt für seine Traumfrau Kerstin (Claudia Eisinger). Erst mit der Hilfe seines neuen Freundes Aswin (Amit Shah), einem unvorhergesehenen Wiedersehen im Waschsalon und nach vielen Zwischenfällen startet Momo richtig durch. An der Seite seiner Freunde erkennt er, was wirklich zählt. „13 Semester“ ist eine unterhaltsame und liebenswürdige deutsche Studentenkomödie, die ohne große Fettnäpfchen auskommt, auch hintergründige Fragen stellt und diese auch differenziert beantwortet. (sh)

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