Die Vorstadtkrokodile sind los (PNP vom 9.2.2010)

Gut 300 Schulkinder treffen Regisseur Christian Ditter

Bad Füssing. Falls Christian Ditter in der Filmgalerie tatsächlich nach Anregungen für den dritten Teil der „Vorstadtkrokodile“ gesucht hat – an Freitagvormittag hat er mehr als genug davon bekommen. 280 Grundschüler aus Kirchham, Aigen und Bad Griesbach fragten den jungen Regisseur Löcher in den Bauch und erzählten ihm ganz genau, was ihnen an seinem Film gefallen hat.

Leser, die nicht viel auf Klischees halten, werden an dieser Stelle enttäuscht: Für die Mädels im Kinosaal war „das Knutschen“ am Ende der „Vorstadtkrokodile“ der absolute Höhepunkt, die Buben fuhren voll auf „die Action“ und die hübschen Hauptdarstellerinnen ab. Das waren die Antworten, die Regisseur Christian Ditter den jungen Gästen in der Filmgalerie noch entlocken konnte. Danach bombardierten sie ihn eine gute Dreiviertelstunde lang mit Fragen: Waren das Feuer, das Dynamit, das Benzin, der Kampf mit den Eisenstangen, der Stunt auf dem fahrenden Auto ganz echt? Ist die hübsche, aber zickige Krokodils-Cousine wirklich so eine Tussi? Hat den zwei Zwölfjährigen der Filmkuss wirklich Spaß gemacht?

Der 32-Jährige antwortete ehrlich und erzählte so spannend, wie er auch seinen Jugendfilm erzählt: „Wir haben tatsächlich etwas in die Luft gesprengt“, verriet er seinen aufmerksamen Zuhörern, „aber zum Anzünden haben wir kein Dynamit verwendet, sondern Brennpaste. Das geht viel besser.“ Und wenn man sich dann noch Tricks bedient wie schnellen Schwenks mit der Kamera oder versteckten Schnitten, dann sieht es eben so aus, als ob eine Feuerwalze durch ein Bergwerk rast, ein Fünftklässler über ein fahrendes Auto springt oder eine 14-Jährige ihre Runden in einem Porsche dreht. Solche Szenen zu produzieren kann eine ganze Weile dauern: Für eine zwei Minuten lange Actionszene im Film hat das Team um Christian Ditter eine ganze Woche Dreh benötigt.

Eltern müssen übrigens nicht besorgt sein, wenn sie ihre Kinder die „Vorstadtkrokodile“ sehen lassen: Der Film ist nicht nur ein schneller und actionreicher Krimi. Er hat auch Witz, mit der Wirtschaftskrise einen durchaus ernsten, aktuellen Hintergrund und bietet pfiffige und gepfefferte Dialoge zwischen Jung und Alt. Apropos Dialoge: Ihre Texte mussten die jungen Schauspieler auswendig lernen („schließlich sollen sie spielen, und nicht ablesen“, wie Christian Ditter verriet) und haben für die „Vorstadtkrokodile“ tatsächlich ihre Sommerferien geopfert! Die Ferien haben sich durch den Dreh zwar um drei Wochen verlängert. Aber in der Schule mussten die Schauspieler alles nachholen, und am Set war sogar ein Nachhilfelehrer dabei. Ohje. Und um noch ein pikantes Detail zu verraten: Der Kuss am Ende des Films, der ist total echt, wirklich.

Wird es einen dritten Teil der „Vorstadtkrokodile“ geben? Den 280 jungen Kinobesuchern am Morgen und noch mal 80 am Nachmittag brannte diese Frage unter den Nägeln. Ein wirkliches „Ja“ kam von Christian Ditter nicht – er, die Produzenten und der Filmverleih wollen erst einmal abwarten, wie gut Teil zwei ankommt. Die Schulkinder aus dem Rottal wollen Teil drei auf alle Fälle. Und am besten soll Ditter beim nächsten Besuch die Schauspieler gleich mitbringen, und wenn schon nicht das, dann wenigstens ihre Handynummern verraten…
Ein Regisseur inmitten seiner Fans... Wer findet ihn?

ZU FILM UND REGISSEUR

Die Vorstadtkrokodile bestehen ihr zweites Abenteuer auf der Leinwand – und das beginnt mit jede Menge Tempo und einer Actionszene in einem alten Bergwerk. Doch nicht Abenteuer unter Tage, sondern seltsame Zwischenfälle bestimmen das Leben der Jugendgang: Weil die Maschinen in ihrer Firma nicht mehr funktionieren, stehen die Eltern von Olli und Maria kurz vor der Arbeitslosigkeit. Der Jobverlust würde auch bedeuten, dass die Familie wegziehen müsste – und das wäre das Aus für die Vorstadtkrokodile! Die setzen natürlich alles daran, die zwielichtigen Machenschaften aufzudecken. Das bedeutet Verfolgungsjagden auf Fahrrädern oder im getunten Rollstuhl, Stylingtipps durch eine nervige Tussi und einen Undercovereinsatz im coolsten Club der Stadt. So kommen die Krokodile bald einer Bande von Industriesaboteuren auf die Spur. Regisseur Christian Ditter (32) hat schon während seiner Zeit an der Münchner Filmhochschule für seine Kurzfilme erste Preise gewonnen. Sein Debütfilm „Französisch für Anfänger“ brachte ihn 2006 an die Spitze der deutschen Kinocharts. Danach führte Ditter Regie für die Fernsehserien „Türkisch für Anfänger“ und „Doctor’s Diary“. 2009 kam der erste Teil der Vorstadtkrokodile ins Kino, 2010 der zweite. Ditters nächstes Projekt wird die Fortsetzung des Bully-Herbig-Erfolgs „Wickie und die starken Männer“ sein.

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